- Text: Sebastian Gosmann
-
DVD des Monats
Taking Woodstock
Als junger Mann war Elliot Tiber eine Zeit lang Präsident der Handelskammer von Bethel, einer 4.000-Seelen-Gemeinde im Staat New York. Die Befugnisse, die dieses Amt mit sich brachten – und natürlich sein wacher Verstand – bemächtigten den damals 34-Jährigen dazu, im Sommer 1969 The Who, Janis Joplin und Joe Cocker quasi im eigenen Vorgarten spielen zu lassen. Cooler Job. Die Geschehnisse, Erlebnisse und zwischenmenschlichen Begegnungen vor und während der dreitägigen „Woodstock Music and Art Fair“ werden für Elliot zu einer Art verspäteter Coming-of-Age-Erfahrung.
Ang Lee tut gut daran, gänzlich auf historisches Bildmaterial zu verzichten. Dank der Sorgfalt, mit der Regie, Ausstattung und Kostümdepartment vorgehen, sind die Bilder vom bunten Treiben auf den Straßen Bethels ohnehin kaum zu unterscheiden von jenen, die etwa Michael Wadleigh einst für seine legendäre Dokumentation schoss.
ANZEIGE
Lees Ziel war es, eine vollkommen zynismusfreie Komödie über die heutzutage oft als naiv und realitätsfern belächelte Love & Peace-Ära zu schaffen; dieses ganz besondere Lebensgefühl, die ungezwungene Atmosphäre während dieser drei Tage auf Leinwand zu bannen, ohne die Blümchenkinder von damals als hoffnungslose Idealisten bloßzustellen. Und er hat dieses Ziel erreicht. „Taking Woodstock“ blickt sehnsuchtsvoll auf diese Zeit und ihre Menschen – und feiert sie leidenschaftlich. Neben einigen Deleted Scenes und einem Making Of bietet die DVD auch zwei interessante Behind-The-Scenes-Featurettes.
