- Text: Patrick Heidmann
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Parkour
Nora von Waldstätten im Interview
Schon 2009 gewann Nora von Waldstätten den New Faces Award (für einen beeindruckenden „Tatort“-Auftritt), doch 2010 wird nun endgültig das Jahr der Österreicherin. Mit einem Preis beim Max Ophüls-Festival ging es los, nun kommen mit „Parkour“ und „Schwerkraft“ gleich zwei beeindruckende Filme mit ihr ins Kino. Und demnächst folgt auch noch das Terroristen-Drama „Carlos, der Schakal“ vom französischen Regisseur Olivier Assayas.
Nora, „Parkour“ und „Schwerkraft“ sind beides Regiedebüts. Spürt man in der Arbeit eigentlich einen Unterschied, ob hinter der Kamera ein alter Hase oder Neuling sitzt?
Nicht zwingend. Gerade Erstlingsregisseure haben meistens ja auch das Drehbuch selbst geschrieben, was die Sache sehr spannend macht, denn dann ist der Film ganz und gar ihr Baby. Außerdem sind sie oft wahnsinnig engagiert und motiviert – und auch sehr mutig. Ich genieße das sehr und finde, man sollte keine Scheu haben, jungen Regisseuren zu vertrauen. Zumal man sich ja immer im Vorfeld kennen lernt und schnell merkt, ob die eigene Phantasie mit der des Regisseurs zusammenkommt. Ich bin zumindest bisher noch nicht enttäuscht worden.
Den Kern einer Figur findet man nicht immer im Drehbuch. Auf welchen anderen Wegen näherst du dich einer Rolle an?
Für alle meine Figuren schreibe ich mir immer eine Biografie. Zu jeder Rolle, die ich bisher gespielt habe, gibt es ein Moleskine-Notizbuch, das ich immer mit am Set habe und manchmal auch im Nachhinein noch in die Hand nehme. Bei manchen Figuren ist das wirklich eine große Reise, auf die ich mich begebe. Auf den „Tatort“ zum Beispiel habe ich mich zwei Monate lang intensivst vorbereitet. Ich musste so viele Dinge ausloten: zum wem betet sie, welche Musik hört sie, woran denkt sie vor dem Einschlafen? Über all diese Aspekte habe ich mich in die Rolle hinein gearbeitet. Und natürlich hilft es, wenn das Drehbuch gut ist und das Team und die Kollegen toll sind.
Ist es dann im Vergleich nicht fast langweilig, danach Figuren zu spielen, die weit weniger abgründig sind?
Ich verändere mich einfach wahnsinnig gerne und liebe es, mich in neue Dimensionen und Welten vorzuarbeiten. Es ist ja das große Geschenk dieses Berufes, dass man sich auf solche Reisen begeben darf. Dabei birgt jede Rolle ihre Herausforderungen. Bei der Hannah in „Parkour“ etwa fand ich es ganz toll, diesen – wenn man so will – wesentlich gesünderen Charakter zu konstruieren. Natürlich hat sie auch ein Schicksal und eine Vergangenheit, aber erst einmal ist sie eben eine ganz andere Baustelle als etwa damals Victoria. Im Laufe des Films allerdings macht auch sie eine Veränderung durch.
Fällt es dir leicht, Nein zu sagen und Rollen abzulehnen?
Ja, wobei das wirklich ein sehr wichtiger Aspekt dieses Berufes ist. Man sollte schon relativ früh wissen, wohin man möchte oder was man selbst gut findet. Und lernen, wie man Drehbücher liest. Da muss man seine eigene Instanz bleiben und darf nicht aus Nervosität oder Unsicherheit anfangen, Kompromisse zu machen. Ein Gespür zu entwickeln, welche Filme man machen möchte, finde ich ganz wichtig, damit man so etwas wie einen roten Faden hat. Mein oberstes Kriterium ist immer die Frage: Welche Geschichte ist wichtig, erzählt zu werden? Man steckt so viel Lebenszeit und –saft rein, da soll es sich auch lohnen. Mit dieser Richtlinie ist es dann eigentlich ganz einfach, solche Entscheidungen zu treffen und auch mal Nein zu sagen.
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