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Bild: Ewan McGregor im Interview
  • Text: Patrick Heidmann
  • Erscheinungsdatum: ..29.04.2010
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Ewan McGregor im Interview
Kein Hetero, der nur so tut als ob


Wenige Schauspieler waren in den vergangenen Monaten so fleißig wie Ewan McGregor. Auf der Berlinale präsentierte er Roman Polanskis „Der Ghostwriter“, kurz darauf folgte die Kriegssatire „Männer, die auf Ziegen starren“ und im Juni ist er neben Hilary Swank in „Amelia“ zu sehen. Doch beim Interview in Paris erzählt der Briten vor allem über die Komödie „I Love You, Phillip Morris“, in der er die große Liebe des real existierenden Trickbetrügers und Ausbrecherkönigs Steven Russell verkörpert.

Ewan, wie hast du reagiert, als man dir „I Love You, Phillip Morris“ anbot?
Als ich das Drehbuch bekam, war ich erst einmal begeistert von der sehr faszinierenden, fast absurden Geschichte. Und noch begeisterter war ich dann, als ich erfuhr, dass es sogar eine wahre Geschichte ist. Aber wahrscheinlich fragst du, weil du wissen willst, ob ich vielleicht gezögert habe, einen Schwulen zu spielen. Natürlich nicht! Die einzige Sorge, die ich hatte, war dass ich auf keinen Fall wirken wollte wie ein Hetero, der nur so tut als ob.

Es ist ja auch nicht das erste Mal, dass du einen Schwulen spielst...
Es spielt vor allem schlicht keine Rolle! Als Schauspieler hat man nun einmal die Aufgabe, die verschiedensten Menschen zu spielen, und es ist doch nur logisch, dass davon auch einige schwul sind. Es ist schon seltsam: man spielt die unterschiedlichsten Berufe, Nationalitäten, Altersklassen. Aber nur wenn man einen Schwulen spielt, wird man gefragt: „Wie schwierig war das für Sie?“. Das scheint erstaunlicherweise immer noch ein Thema zu sein, das viele bewegt. Aber mich nicht. Mich interessierte die Romantik dieser Liebesgeschichte, nicht ihre Sexualität.

Einigen Filmverleihern war die Geschichte jedenfalls zu schwul, deswegen hat es etwas gedauert, bis der Film in die Kinos kommt. Hat dich das irritiert?
So wirklich habe ich das gar nicht mitbekommen, denn als Schauspieler bin ich ja in solche Dinge überhaupt nicht involviert. Allerdings muss man auch dazu sagen, dass pünktlich zu unserer Weltpremiere 2009 die Weltwirtschaft gerade an ihrem absoluten Tiefpunkt angekommen war und ganz viele Filme Schwierigkeiten hatten, Käufer zu finden. Alles, was nicht 100% der Norm entsprach, wurde erst einmal nur vorsichtig beäugt – und dazu gehörte eben auch „I Love You, Phillip Morris“.

Hast du eigentlich den echten Phillip Morris getroffen?
Ja, ich bin nach Arkansas geflogen, wo er lebt. Es war gleichermaßen spannend wie seltsam, den Mann zu treffen, in dessen Haut ich schlüpfen sollte, denn normalerweise erweckt man als Schauspieler seine Rollen ja erst zum Leben. Wir verbrachten zwei Tage zusammen, gingen spazieren und fuhren durch die Gegend. Aber es ging mehr ums Kennenlernen als darum, ihn auszufragen. Über seine Beziehung zu Steven habe ich ihn deswegen nicht ausgequetscht. Es reichte einfach, ihn zu erleben und zu beobachten.

Ist er denn so süß und naiv, wie du ihn nun im Film spielst?
Ich war ganz überrascht, dass er ein durchaus rauer, fast harter Kerl ist. Wobei das wenig verwundert, schließlich saß er neun Jahre im Gefängnis, was natürlich nicht spurlos an einem vorübergeht. Beeinflusst hat mich das für meine Rolle aber nur sehr bedingt, denn ich wusste von Anfang an, dass ich ihn für den Film nicht imitieren will. Sowohl für ihn als auch für mich war immer klar, dass unsere Geschichte ein Drehbuch, also Fiktion ist. Natürlich wird da mancher Aspekt der Realität verändert oder romantisiert – und so spiele ich nun eben dieses zarte, liebliche Geschöpf.

Interview: Patrick Heidmann


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