unclesally*s, dein Musik-Magazin für Punk, Rock, Indie, Alternative, Indierock mit vielen Interviews und Rezensionen

Bild: The Doors: When You’re Strange
  • Text:
  • Erscheinungsdatum: ..1.
  • Bewertung:
  • Kommentar schreiben

The Doors: When You’re Strange
Geschichtsstunde


Oliver Stone drehte 1991 den Spielfilm „The Doors“. Darin torkelte Val Kilmer als Jim Morrison unfreiwillig komisch zwischen Genie und Wahnsinn umher. Warum die Band aber ihren Status als epochale Rock-Ikone erreichte, blieb unklar. 
Von der Gründung 1965 bis zum tragisch frühen Tod des Frontmanns Morrison 1971 trafen The Doors immer wieder den Nerv der Zeit. Revolutionäre Musik, sechs Studioalben mit mittlerweile über 75 Millionen verkauften Exemplaren, eine Handvoll waschechter Skandale aus Sex, Drugs and Rock’n’Roll sowie die bis heute unverblasste Strahlkraft des Sängers – The Doors wurden Legende.
Wie und durch welche Umstände, das versucht Tom DiCillos Dokumentarfilm zu erklären. Dazu konzentriert er sich vor allem auf die Beziehung der vier Musiker untereinander, die Wirkung der Band auf die amerikanische Öffentlichkeit und natürlich auf die zentrale Figur Jim Morrison. Der Regisseur erhielt Zugang zu den Bild- und Tonarchiven der Band. Aus diesem Material und wenigen anderen zeitgenössischen Quellen montiert DiCillo eine schlüssige Chronologie der Ereignisse jener sechs Jahre.
Während des Films erklärt und kommentiert ein (im Original von Johnny Depp gesprochener) Off-Text die zum Teil unveröffentlichten Interviews, Fotos und Konzertmitschnitte. Dieser bettet die Bilder in den Kontext des damaligen Zeitgeschehens Amerikas: Vietnamkrieg, Hippie- und Menschenrechtsbewegung, die Desillusionierung nach den Ermordungen JFKs und Martin Luther Kings. Die Stimmung des Landes fand in der düster-poetischen Musik der Doors einen Spiegel. Gleichzeitig war sie so populär, dass sie zum Mainstream wurde. Morrison wandelte sich vom schüchternen Frontmann zu einer unberechenbaren Person und verlieh dem häufig genug auf größter Bühne Ausdruck. Wie sehr seine Missachtung aller Autoritäten polarisiert haben muss, macht der Film anschaulich klar.
„The Doors: When You’re Strange“ ist wie eine Zeitreise. Das Fehlen aktueller Interviews oder Bilder der übrigen drei Bandmitglieder oder anderer Zeitzeugen erzeugt ein starkes Gefühl der Unmittelbarkeit. So gibt es zwar kaum Neues, allerdings sind die bekannten Fakten, die Musik und der Kommentar auf kompakte und sehr überzeugende Art zusammengefügt. Man glaubt fast, alles selbst miterlebt zu haben. Welch großer Fan DiCillo selbst ist, wird direkt am Anfang klar: Morrison sitzt am Steuer eines Wagens und hört Radio, die dazu laufende Tonspur ist die Meldung seines Todes. Der Mann war ein Prophet. *****

Text: Christian Stein


ANZEIGE







...zurück



Kontakt -  Impressum -  Mediadaten -  Abo ·  nach oben