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Bild: Deutschland 09
  • Text: Patrick Heidmann
  • Erscheinungsdatum: ..26.
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Deutschland 09
Ein Omnibus voller Regisseure


13 Regisseure, ein Film. Omnibusfilme nennt man solche Projekte, wo sich aus lauter Kurzfilmen ein großes Puzzle ergibt. Die Filmgeschichte kennt davon viele Beispiele, man denke nur an „Paris, je t’aime“ oder auch „Deutschland im Herbst“ aus dem Jahre 1978. Letzterer diente nun wohl auch als Inspiration für „Deutschland 09“, für den Tom Tykwer zwölf Kollegen um sich scharte, um kurze Stimmungsüberblicke über die Lager unserer Nation zu drehen.
Schon die Namen der beteiligten Regisseure lassen erahnen, wie unterschiedlich und collagenhaft „Deutschland 09“ in seinen einzelnen Bestandteilen sein muss: neben Tykwer drehten auch Fatih Akin, Nicolette Krebitz, Dominik Graf, Wolfgang Becker, Hans Weingartner, Dani Levy, Sylke Enders, Hans Steinbichler, Romuald Karmakar, Angela Schanelec, Christoph Hochhäusler und Isabelle Stevers kleine Beiträge. Einzige Vorgaben waren der Titel als Oberbegriff und eine Längenvorgabe von fünf bis zwölf Minuten. Echte Gemeinsamkeiten zwischen den Filmen halten sich ansonsten in Grenzen, sieht man mal davon ab, dass keiner dieser Filmemacher besonders fröhlich oder optimistisch auf den hiesigen Alltag zu blicken scheint. Und so ist am Ende – wie meist bei solchen Filmen – ein höchst heterogenes Ergebnis herausgekommen, nicht nur stilistisch, sondern auch qualitativ.


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Als besonders stark erweisen sich überraschend die dokumentarischen Episoden, wie jene von Stevers, die eine Grundschulreferendarin dabei zeigt, wie sie in ihrer Multikulti-Klasse einen Klassenrat und demokratische Strukturen zu etablieren versucht. Auch Karmarkar, einst der wütende Berserker des deutschen Films, hört in erster Linie genau zu, als in seinem Beitrag ein iranischer Bordellbesitzer in Berlin von den seltsamen Wünschen seiner Kunden erzählt und einen gleichermaßen komischen wie befremdlichen Einblick in deutsche Bedürfnisse gibt. Graf liefert derweil ein Dokument des Verschwindens ab und blickt mit Super8-Kamera auf Gebäude, die kurz vor dem Abriss stehen.

Die Spielfilme kommen etwas überraschungsärmer und mitunter thematisch schlichter daher. Das von Krebitz inszenierte Treffen von Ulrike Meinhof, Susan Sonntag und der derzeit schwer gehypten Berliner Jung-Regisseurin Helene Hegemann etwa, ist längst nicht so tiefgründig wie es gerne wäre, aber Dank Jasmin Tabatabai und Sandra Hüller trotzdem sehenswert. Auch Enders’ Suppenküchen-Begegnung und Steinbichlers FAZ-Amoklauf erzählen allzu naheliegende Geschichten, glänzen aber durch ihre Schauspieler: Karl Markovics und Anneke Kim Sarnau bzw. Josef Bierbichler. Benno Fürmann und Bilder, die nach großem Kino aussehen, beeindrucken dagegen in Tykwers Beitrag, dessen Botschaft von der bösen Starbucks&Porno-Globalisierung allerdings Schnee von gestern ist.

Die Mehrzahl der Regisseure liefert Filme ab, wie man sie auch von ihnen erwartet hätte: Schanelec entdeckt mal wieder die Magie der Langsamkeit, Weingartner bringt seine politische Einstellung mit dem Holzhammer an den Mann und Levy gibt einmal mehr den jüdischen Spaßmacher. Doch das erweist sich gar nicht unbedingt als Nachteil, schließlich liegt der größte Reiz von „Deutschland 09“ ohnehin in der Vielseitigkeit der unterschiedlichen Handschriften. Schade nur, dass es ganz ohne Enttäuschungen dann doch nicht geht. Ausgerechnet Akin liefert eine vollkommen uninspirierte Nullnummer ab, in der er Denis Moschitto in die Rolle des Ex-Guantanamo-Häftlings steckt und ein leider alles andere als aufwühlendes Interview geben lässt. Und über die Peinlichkeit von Wolfgang Becker sei lieber gleich das Mäntelchen des Schweigens gelegt.

Am Ende kommt man nicht umhin, sich zu fragen, was wohl gewesen wäre, hätte Hans-Christian Schmid nicht aus Zeitgründen abgesagt; welche Facetten Christian Petzold, Doris Dörrie oder auch Marcus Rosenmüller diesem Panoptikum noch hätten hinzufügen können. Doch auch ohne sie ist „Deutschland 09“ ein faszinierend buntes Heimatprojekt, das zwar nie die politische Wucht von „Deutschland im Herbst“ entwickelt und vielleicht auch doch nur wenig über den Zustand unseres Landes aussagt, aber in jedem Fall einen aufschlussreichen Überblick über die Befindlichkeit der Regisseure und die Lage des deutschen Films vermittelt.


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