- Text: Cornelis Hähnel
- Erscheinungsdatum: ..1.4.
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Bewertung:
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Lourdes
Die wundersame Welt der Gedanken
Madonna, Jesus und Lourdes kennt man auch aus der InTouch, doch hier geht es tatsächlich um den Ort in Frankreich, an dem die Mutter Gottes erschienen sein soll.
Christine (Sylvie Testud) sitzt im Rollstuhl und pilgert zu verschiedenen Wallfahrtsorten. In Lourdes wartet sie, wie hunderte auch, auf Heilung. Nach den Besuchen in den Bädern und der heiligen Grotte tritt bei ihr plötzlich Besserung ein und eines Nachts steht sie auf, geht ins Bad und zieht sich an. Ein Wunder?
Die österreichische Regisseurin Jessica Hausner, die zuletzt mit „Hotel“ im Thriller das Unerklärliche beleuchtet hat, wendet sich erneut dem Irrationalen zu. „Lourdes“ evoziert im Vorfeld in allen Lagern eine gehörige Portion Skepsis. Ein spiritueller Lobgesang, mutmaßt der Agnostiker, während der Katholik einen diffamierenden Angriff auf seinen Glauben befürchtet. Glücklicher- und seltsamerweise bewegt sich Hausner zwischen allen Stühlen und findet damit ihre eigene Position.
Allein visuell ist der Film von einer derart perfektionierten Ästhetik geprägt, die Raffael vor lauter Erhabenheit die Tränen in die Augen treiben würde und die zugleich die pompösen Gesten zu entlarven weiß. In diesem Zwischenraum spielt sich alles ab, Szenen der Erleuchtung sind ebenso humorvoll wie alberne Zusammenkünfte eine eigene Würde finden. Hausner stellt niemanden bloß, sie erlaubt sich die Frage: Was ist, wenn es wirklich Wunder gibt? Und damit kommt sie schnell zu einer Ebene, die fernab von Spiritualität und Religionskritik liegt – nämlich auf die Ebene des sozialen Miteinanders. Und dort treten Neid, Hoffnung, Trauer, Liebe und Unwissenheit wieder in den Vordergrund. Somit ist „Lourdes“ letztlich ein Film über die Gesellschaft, in der wir leben. Vielleicht, im besten Sinne, über Nächstenliebe.
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