- Text: Patrick Heidmann
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Vincent Will Meer - Johannes Allmayer im Interview
Geheimtipp aus der zweiten Reihe
Sein Name ist bislang den wenigsten ein Begriff, und auch sein Gesicht kennt noch nicht jeder. Doch Johannes Allmayer, der in München Schauspiel studierte und zuletzt nicht nur auf Theaterbühnen, sondern auch in TV-Filmen wie „Erntedank“ oder „Die Tote vom Schwarzwald“ zu sehen war, sollte man sich unbedingt merken. Denn wie der 1978 bei Stuttgart geborene Schauspieler nach „Selbstgespräche“ in diesem Monat auch in „vincent will meer“ beweist, ist er ein verdammt pointierter Schauspieler. Und es kann nicht mehr lange dauern, bis er vom so genannten Scene Stealer in die erste Riege der hierzulande nicht unbedingt dicht gesäten Komödien-Könner aufsteigt.
Johannes, du spielst in „vincent will meer“ einen Zwangsneurotiker. Ist das nicht eine echte Gratwanderung, wenn man einen Menschen mit psychischen Störungen verkörpern muss?
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Absolut. Beim ersten Lesen des Drehbuchs habe ich auch gar nicht wirklich gemerkt, was dieser Alexander für eine Krankheit hat, sondern fand ihn einfach lustig. Das war halt ein schräger Typ! Aber welches Krankheitsbild da dran hängt und wie man das zeigt, darüber machte ich mir erst Gedanken, als ich die Rolle tatsächlich bekam und mich vorbereiten musste.
Wie hast du dich denn vorbereitet?
Zunächst habe ich bei einigen Psychiatern und Psychologen angerufen, die ich teilweise auch getroffen habe. Gerne wäre ich auch in einem Zentrum für Betroffene vorbeigekommen, aber das war denen verständlicherweise nicht so Recht. Auch die Selbsthilfegruppen, die ich kontaktiert habe, waren skeptisch, als ich den Film erwähnte, weil sie mit so etwas schon schlechte Erfahrungen gemacht hatten. Stattdessen habe ich mir Sachen angeschaut wie die Serie „Monk“, die mir viele Psychologen empfohlen haben, oder auch „Besser geht’s nicht“ mit Jack Nicholson.
Florian David Fitz spielt ja nicht nur die Hauptrolle in „vincent will meer“, sondern hat auch das Drehbuch geschrieben. Ist es nicht seltsam, mit demjenigen vor der Kamera zu stehen, der sich deinen Charakter ausgedacht hat?
Das spielte eigentlich gar keine Rolle, was ich ihm auch sehr hoch anrechne. Florian war schon beim Casting dabei, hat aber nie reingeredet. Natürlich gab es immer wieder mal Diskussionen, wenn etwas am Drehbuch verändert wurde. Aber er hat sich nie beschwert, wenn jemand etwas nicht so gesagt hat, wie er es sich vielleicht vorgestellt hatte.
Ist das Drehbuchschreiben oder auch Regieführen etwas, das du dir auch selbst vorstellen könntest?
Wahrscheinlich bin ich da wie alle Schauspieler: Wenn ich einen Film oder ein Theaterstück sehe, weiß ich gleich, wie es hätte besser machen können und werde selbst zum kleinen Regisseur. Aber wirklich nur dann, nicht bei der Arbeit! Was das Schreiben angeht, habe ich schon einiges gemacht, allerdings fürs Theater. Ich habe zwei Stücke und einen Monolog geschrieben, den ich damals am Schauspielhaus Düsseldorf auch gespielt habe. Beim Film traue ich mich da noch nicht ran, auch weil es bei mir da bislang nur zwei Extreme gibt: entweder schreibe ich kabarettistisch oder für eine Komödie – oder ich will die Welt verändern und werde so sozialkritisch, dass es beim zweiten Lesen fast schon wieder peinlich ist.
Seit geraumer Zeit gehörst nirgends mehr fest zu einem Theater-Ensemble. Warum?
Als in Düsseldorf die Intendanz gewechselt hat, wurden wir Schauspieler nicht übernommen, und ich habe mich dann bewusst nicht um ein neues festes Engagement gekümmert. Nach dem Film „Selbstgespräche“ hatte ich so gut zu tun, dass ich das nicht unbedingt brauchte. Außerdem hatte ich einfach Lust darauf, öfter zu drehen, denn momentan interessiert mich Film ein bisschen mehr als Theater. Auch als Zuschauer übrigens, denn obwohl Kino ja eigentlich künstlicher ist, empfinde ich es oft als authentischer und bin – mal ganz pauschal gesagt – von einem guten Film mehr berührt als von einem Theaterstück.
Bislang hast du in deinen Film- und Fernseharbeiten meist eher Nebenrollen gespielt. Sehnt sich da das Ego manchmal nach was Größerem?
Auf der Bühne habe ich von absoluten Hauptrollen bis zu fünfminütigen Auftritten wirklich alles gespielt. Von daher ist eine Nebenrolle beim Film nun keine komplette Umstellung. Natürlich träume ich auch manchmal davon, eine tolle Hauptrolle zu spielen und auf der Leinwand richtig präsent zu sein. Aber bis jetzt habe ich überhaupt keinen Grund mich zu beschweren, sondern bin sehr dankbar dafür, wie alles gelaufen ist.
