- Text: Patrick Heidmann
-
Predator
Robert Rodriguez im Interview
Im September1992 feiert sein erster Film „El mariachi“ seine Weltpremiere – und eigentlich ist Robert Rodriguez schon seit genau diesem Moment absoluter Kult. Mit so gut wie jedem seiner nachfolgenden Werke – von „Desperado“ und „From Dusk Till Dwan“ über „The Faculty“ bis hin zu „Sin City“ und „Planet Terror“ – unterstrich der Filmemacher seinen Ruf als furioser Genre-Experte. Selbst Ausflüge in den Bereich des Kinderfilms wie die „Spy Kids“-Reihe oder zuletzt „Das Geheimnis des Regenbogensteins“ haben ihm die Horror- und Gewalt-Fans noch immer verziehen. Bevor der Tarantino-Kumpel demnächst seinen neuen Film „Machete“ (der aus einem der „Grindhouse“-Fake-Trailer entstand) in die Kinos bringt, startet nun am 8. Juli erst einmal „Predators“ . Den hat Rodriguez zwar nicht selbst inszeniert, aber als Ideengeber und Produzent entscheidend geprägt.
ANZEIGE
Mr. Rodriguez, der letzte echte „Predator“-Film liegt 20 Jahre zurück, danach kamen nur noch zwei „Alien vs. Predator“-Produktionen, die bei Fans und Kritik durchfielen. Wie kamen Sie darauf, eine Reihe wiederzubeleben, die doch eigentlich am Boden lag?
Schon in den Neunziger Jahren hatte ich mal ein Drehbuch zu einem „Predator“-Film geschrieben, aber als daraus damals nichts wurde, hatte ich lange nicht mehr über diese außerirdischen Killer nachgedacht. Und tatsächlich war ich selbst auch kein Fan dieser beiden späteren Filme, in denen sie die Predators gegen die Aliens antreten ließen. Aber irgendwann entdeckte das produzierende Studio mein Skript von damals wieder und klopfte bei mir an. Denen schwebte ein kompletter Neustart vor, so wie man es mit „Batman“ gemacht hatte – und dazu wollte man meine Hilfe.
Aber hatten Sie keine Sorgen, dass das Publikum in all der Zeit das Interesse an der Figur verloren haben könnte?
Ich bin überzeugt davon, dass eine starke Idee sich niemals wirklich totläuft. Solche ikonischen Filmfiguren nutzen sich nicht ab. Natürlich lassen sich auch damit viele schlechte Filme drehen, denken Sie nur an die schrecklichen Fortsetzungen von „Der weiße Hai“! Aber Spielbergs Original wird für alle Zeiten ein Klassiker bleiben, der immer neuen Generationen das Fürchten lehrt. Deswegen war ich überzeugt, dass sich auch aus der Figur des Predators noch etwas machen ließe. Immerhin hatte er all die Jahre überlebt und noch immer Fans auf der ganzen Welt, die Poster oder Spielzeuge von ihm kauften.
Die schlechten Filme davor wollten Sie also ungeschehen machen?
Klar, und zwar in dem wir den neuen Film nun wieder wesentlich ernsthafter, düsterer und einfach spannender halten wollten. Diese „Alien vs. Predators“-Filme waren ja wirklich völlig hanebüchen und over the top. Von den beiden ersten Filmen distanzieren wir uns allerdings nicht, weswegen der Verweis auf „Batman Begins“ eben nicht ganz richtig war. Denn letztlich ist „Predators“ kein so genanntes Reboot geworden. Vielmehr lässt er sich in der erzählerischen Chronologie zwischen dem Original-„Predator“ und „Predator 2“ einordnen. Wobei man natürlich den ersten Teil nicht gesehen haben muss, um jetzt unseren zu verstehen.
Ihr bereits erwähntes Drehbuch wurde doch jetzt aber nicht 1:1 übernommen, oder?
Vieles von dem, was ich damals schrieb, fand jetzt seinen Weg in „Predators“, auch wenn offiziell zwei meiner Kollegen das Skript verfassten und ich „nur“ als Produzent gelistet bin. Es muss ungefähr 1995 gewesen sein, als ich das Drehbuch schrieb. Auf jeden Fall noch vor „Desperado“. Ich war schon immer ein „Predator“-Fan, und als damals nach Autoren gesucht wurde, habe ich einfach mal was zu Papier gebracht. Es ging nicht darum, den Film auch zu inszenieren, deswegen habe ich erstmal meiner Phantasie freien Lauf gelassen, einen fremden Planeten als Handlungsort gewählt und auch sonst nicht bei jeder Szene darüber nachgedacht, ob und wie sich das umsetzen lässt.
Hat es Sie denn gar nicht gereizt, dieses Mal auch die Regie zu übernehmen?
Das ging schlicht und einfach nicht, weil ich bereits mit meinem Film „Machete“ beschäftigt war. Das Studio beharrte darauf, „Predators“ für den Sommer 2010 fertig zu haben, deswegen ließ sich das nicht anders machen. Aber ich war natürlich sehr erfreut, als man mich dann bat, den Film wenigstens mit meiner Firma auf die Beine zu stellen und als Produzent zu verantworten. Deswegen fühlt sich das nun auch durchaus an, als sei es mein Film. Immerhin suchte ich den Regisseur und die Drehbuchautoren aus und hatte auch bei der Besetzung ein Wörtchen mitzureden. Sogar der Großteil meines üblichen Teams arbeitete an der Produktion mit, während ich „Machete“ nur mit einer ganz kleinen Crew drehte.
Und bei „Predators“ ließ das Studio Ihnen völlig freie Hand?
In der Tat. Ihnen ging es tatsächlich um ein Endprodukt, das die Handschrift des Filmemachers trägt und nicht – wie mit den bereits erwähnten Vorgängern – die Handschrift des Studios. Denn damit hatten sie ja, wie gesagt, nicht so gute Erfahrungen gemacht. Meine einzige Vorgabe war deswegen nun die Höhe des Budgets. Ansonsten konnte ich alles machen, was mir vorschwebte.
Warum haben Sie sich letztlich für den amerikanisch-ungarischen Regisseur Nimród Antal entschieden?
Dafür gab es viele Gründe. Ich bin schon lange ein Fan seines ersten Films „Kontroll“. Dort – aber auch in seinen US-Filmen „Motel“ und „Armored“ – bewies er in meinen Augen enormes Talent im Umgang mit Figuren. Außerdem hatte ich keinen Zweifel daran, dass er ein sehr effektiver Regisseur ist, der aus wenig sehr viel herausholen kann. Spätestens als wir uns trafen verflogen dann die letzten Zweifel, denn er ist nicht nur ein wahnsinnig netter Typ, sondern auch jemand, von dem mir gleich klar war, dass meine Mitarbeiter ihn als Chef akzeptieren würden.
Die Besetzung mit Oscar-Gewinner Adrien Brody oder „CSI“-Star Laurence Fishburne ist ziemlich hochkarätig...
Warum auch nicht? Ich habe immer schon versucht, für meine Filme die besten und namenhaftesten Schauspieler zu verpflichten. Gerade im Genre-Kino, in Action-, Science Fiction- oder Horrorfilmen sucht man ja oft vergeblich nach Stars, deswegen will ich da wie zum Trotz gegenhalten. Außerdem sind Leute wie Brody oder Fishburne einfach verdammt gut. Wenn man mit Schauspielern wie ihnen dreht, wird der Film fast zwangsläufig noch besser und glaubwürdiger.
Gerade das von Ihnen erwähnte Genrekino lebt heutzutage sehr von Vorab-Hype, von Internet-Phänomenen wie Twitter oder auch diesen riesigen Fan-Veranstaltungen wie ComicCon. Vermissen Sie die Zeiten, in denen es im Vorfeld eines Kinostarts einfach nur einen Trailer, ein paar Plakate und ein bisschen Pressearbeit gab?
Nostalgisch bin ich überhaupt nicht. Außerdem bin ich mir sicher, dass diese ganze neue Maschinerie, die für solche Filme in Bewegung gesetzt wird, auch sehr hilfreich sein kann. Zumindest solange das Produkt auch wirklich den Erwartungen stand hält und qualitativ hochwertig ist. Denn tatsächlich verbreitet sich natürlich Vorfreude – und auch Mundpropaganda – heute schneller denn je. Das erste Mal so richtig aufgefallen ist mir das damals bei „Sin City“. Da hatte ich ein paar Ausschnitte bei einer Convention gezeigt – und plötzlich schrieben sich die Leute im Internet die Finger wund, obwohl unser Film noch nicht einmal fertig war.
Abgesehen von blutigem Genrekino drehen Sie auch immer wieder Kinderfilme, als nächstes einen vierten Teil von „Spy Kids“. Legen Sie Wert auf die Balance zwischen diesen beiden Extremen?
Ach, so viele Gedanken verschwende ich gar nicht daran. Ich drehe einfach, worauf ich Lust habe. Manchmal ist das eben ein krasser Horrorfilm, denn schließlich bin ich einfach schon immer ein großer Fan dieser Art von Kino. Aber manchmal ist es eben auch eine Geschichte für Kids, denn schließlich bin ich selbst Vater und habe auch für solche Filme viel übrig. Ein bisschen ist allerdings wirklich so, dass ich nach brutalen Produktionen wie „Predators“ oder „Machete“ einen Familienfilm brauche, um wieder „runterzukommen“. Wenn man immer wieder so tief in Dunkelheit abtaucht, ist es zwischendurch einfach gut, sich auch mal wieder mit etwas Positiverem zu beschäftigen.
Und warum nach über sieben Jahren Pause noch einmal die „Spy Kids“?
Auch hier gilt: einfach aus Spaß! Ich hatte eine schöne Idee dafür, also habe ich mich drangesetzt. Zumal ich den Weinstein-Brüdern, die damals die ersten drei Teile in die Kinos gebracht hatten, ohnehin noch einen Film schuldete. Darüber hinaus fiel mir auf, dass ich noch immer von vielen Menschen auf die Filme angesprochen werde. Und wenn gerade jeder irgendwelche alten Filmreihen aus den Archiven holt, um sie neu aufzulegen, dann kann ich das erst recht. Schließlich habe ich die „Spy Kids“-Saga damals selbst zum Leben erweckt; sie ist mein ganz eigenes Ding. Mit den ersten Filmen wird der neue aber auch nicht mehr wirklich etwas zu tun haben, denn natürlich sind das jetzt andere Kinder als damals.
Der dritte „Spy Kids“-Film war 2003 bereits in 3D. Waren Sie Ihrer Zeit voraus?
Irgendwie wohl schon. Zumindest war es damals fast nicht möglich, das Studio davon zu überzeugen, diese Technik wenigstens für einige Szenen einzusetzen. Die Produktion der Brillen für die Kinos musste ich damals sogar aus eigener Tasche bezahlen, weil das alle für eine Schnapsidee hielten. Erst heute sind die Kinos technisch so ausgerichtet, wie der Film es damals eigentlich gebraucht hätte. Aber ich freue mich, dass das mittlerweile so ist – und werde deswegen natürlich selbst wieder in 3D drehen. Den nächsten „Spy Kids“ auf jeden Fall, aber sicher auch danach.
Wie sehen Ihre sonstigen Zukunftspläne aus? Von „Red Sonja“ bis zu einem neuen „Sin City“-Film hört man ja immer wieder die verschiedensten Gerüchte.
An „Sin City 2“ arbeite ich noch, aber viel mehr kann ich dazu im Moment nicht sagen. Ideen, Drehbuchentwürfe oder erste Planungen habe ich immer jede Menge und auch viele gleichzeitig. Sobald allerdings mal eine Sache – wie jetzt „Machete“ und danach „Spy Kids“ – konkret wird, verschwinden die anderen erst einmal wieder in der Schublade. Was dann wirklich mal gedreht wird, hängt natürlich auch von Geldgebern und ähnlichem an. Für das „Red Sonja“ –Remake sah es eine Weile gut aus, aber dann wollte das Studio lieber zuerst „Conan der Barbar“ neu verfilmen. Da konnte ich dann nichts machen außer mir ein neues Projekt zu suchen.
Auch eine geplante Neuverfilmung von „Barbarella“ mussten Sie nach Jahren der Planung auf Eis legen. Ärgert man sich darüber nicht maßlos, wenn man in solche Projekte so viel Zeit gesteckt hat?
Das ist halb so wild. Unsere Branche funktioniert nun einmal so. Und ich hatte ja noch nicht einmal ein fertiges Drehbuch geschrieben. Außerdem lösen sich solche Projekte schließlich nicht in Luft auf. Einige legt man irgendwann beiseite, andere holt man eines Tages wieder hervor. Gerade vor ein paar Tagen habe ich mit Quentin darüber gesprochen, denn wir beide brüteten unabhängig von einander über Filmideen, die wir schon seit 15 Jahren mit uns herumtragen. Ich habe dann direkt noch mal in meinen Tagebüchern geblättert um nachzugucken, wann er mir eigentlich zum ersten Mal die Eröffnungsszene von „Inglourious Basterds“ geschickt hatte. Das war am 1. Mai 1999! Verrückt, nicht war? Manchmal braucht gut Ding einfach wirklich Weile...
Wo Sie gerade Tarantino erwähnen: tauschen Sie sich wirklich bei jedem Film so intensiv miteinander aus, dass Sie sich gegenseitig die Szenen schicken?
Nicht unbedingt. Das ist von Projekt zu Projekt unterschiedlich und immer ganz zwanglos. Es ist nicht so, dass ich ihm bei laufenden Dreharbeiten ständig die neusten Aufnahmen zeigen würde um mir seinen Segen abzuholen. Bei „Machete“ hätte er dafür auch gar keine Zeit gehabt, denn da war er selbst ja noch voll mit den „Basterds“ beschäftigt. Meistens bestehen unsere Treffen sowieso eher darin, dass wir uns bei ihm vor seine riesige Leinwand knallen, Bier trinken und jede Menge alter Filme gucken. Wobei das natürlich auch unglaublich inspirierend ist und uns beide jedes Mal auf allerlei verrückte neue Ideen bringt.
City Light Thief, Love A
18.02.2012
FLUX Klub - LIVE: City Light Thief, Love A @ Magnet Club - Berlin
