- Text: Patrick Heidmann
- Erscheinungsdatum: ..29.07.2010
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Cillian Murphy
Im Interview
Zuletzt war es still geworden um Cillian Murphy, der mit Danny Boyles Horrorfilm „28 Days Later“ den Durchbruch schaffte, anschließend Nebenrollen in „Unterwegs nach Cold Mountain“ oder „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ übernahm und schließlich mit dem Thriller „Red Eye“, Ken Loachs Cannes-Gewinner „The Wind That Shakes The Barley“ und der Golden Globe-nominierten Transvestiten-Rolle in „Breakfast on Pluto“ auch einem breiteren Publikum bekannt wurde. Doch nun ist der in London lebende Ire zurück: vor einigen Tagen feierte die Actionkomödie „Kopfgeld“ ihre DVD-Premiere und am 29. Juli startet in den Kinos das Meisterwerk „Inception“ von Christopher Nolan, der den Vater zweier Kinder auch schon in seinen beiden „Batman“-Filmen besetzt hatte.
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Cillian, Sie haben nun schon das dritte Mal mit Christopher Nolan gedreht. Sagen Sie inzwischen automatisch zu, wenn er Ihnen eine Rolle anbietet?
Letztlich schon, aber das geht sicherlich nicht nur mir so. Denn ob man ihn nun bereits kennt oder nicht, dürfte doch eigentlich für niemanden ein Zweifel bestehen, dass es einen Regisseur wie ihn derzeit kein zweites Mal gibt. Auch ich war schon ein Fan seiner Arbeit bevor ich das erste Mal mit ihm zusammengearbeitet habe. Seither hat sich das natürlich noch enorm gesteigert – und es ist jedes Mal wieder eine enorme Ehre, mit ihm drehen zu dürfen.
Die Geschichte von „Inception“ ist – zumal für Hollywoodverhältnisse – relativ kompliziert. Haben Sie bei der Drehbuchlektüre auf Anhieb alles verstanden?
Am Anfang dachte ich schon: ach du Scheiße, das ist echt vertrackt! Um wirklich alles zu erfassen und zu durchdringen musste ich das Skript ein paar Mal durchlesen. Zum Glück habe ich später mitgekriegt, dass es meinen Kollegen genauso ging, das hat mich ein wenig beruhigt. Wobei mich die Komplexität natürlich nicht abgeschreckt hat. Im Gegenteil! Schon nach den ersten paar Seiten war mir klar, dass es sich hier um eine einzigartige Geschichte handelt, wie man sie so noch nie gesehen hat.
Als die Kameras erst einmal liefen, bestanden also keine Unklarheiten mehr?
Nein, natürlich nicht. Eigentlich brauchte es nur ein Gespräch mit Chris, um alles zu verstehen, denn er kann die Geschichte des Films so herunterbrechen, dass sie relativ schnell zu begreifen ist. Deswegen war die Umsetzung wesentlich unkomplizierter als man es vielleicht beim ersten Lesen vermutet hätte. Zumal die einzelnen Figuren der Handlung ohnehin relativ zugänglich und nachvollziehbar sind. Wenn es dann doch mal Fragen oder Unsicherheiten gab, konnte Chris sie sofort ausräumen. Er hat schließlich über zehn Jahre an diesem Projekt gearbeitet und kennt sich in der Welt von „Inception“ aus wie in seiner Westentasche.
Ist das Thema Träume eigentlich eines, mit dem Sie sich auch privat beschäftigen?
Ab und an mache ich mir schon mal Gedanken darüber, was ich geträumt habe. Zumindest fallen mir Zusammenhänge auf zwischen den Träumen und meinen jeweiligen Lebensumständen oder Gemütszuständen. Ich bin mir also ziemlich sicher, dass sich unsere Psyche oder auch die Seele über die Träume irgendwie zu regenerieren und entlastet versucht, indem das von uns Unterdrückte dann eben doch hochkommt. Aber es wäre übertrieben zu behaupten, dass ich mich besonders viel mit Traumanalyse oder ähnlichem beschäftigen würde. Mein Unterbewusstsein macht einfach sein Ding und dabei belasse ich es!
Sehen Sie eigentlich einen Zusammenhang zwischen Träumen und der Arbeit beim Film? Beides hat ja viel mit Phantasie zu tun...
„Inception“ selbst stellt diese Parallele ja her, etwa wenn Leonardo DiCaprio und sein Team künstliche Traumwelten schaffen, für die dann vorab eigens kleine Modelle und Kulissen gebastelt werden. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob Chris den Film gleich als Parabel auf das Filmemachen verstanden wissen will. Aber einen Zusammenhang, gerade heute wo durch Computertricks dem Regisseur quasi keine Grenzen mehr gesetzt sind, gibt es mit Sicherheit. Auch für uns Schauspieler natürlich, schließlich schlüpfen wir tagtäglich in andere Rollen, was andere Menschen sonst bestenfalls im Traum machen.
Hatten Sie, während Dreharbeiten, schon mal einen Traum, der eigentlich gar nicht Ihr eigener, sondern der Ihrer aktuellen Filmfigur war?
Ganz so weit würde ich nicht gehen. Zumindest erinnere ich mich nicht daran, mal aufgewacht zu sein und das Gefühl gehabt zu haben, dass gerade meine Rolle einen Traum hatte. Allerdings kommt es natürlich schon mal vor, dass man so tief in einer Figur steckt, dass davon auch mein Verhalten und meine Gefühle jenseits der Kamera beeinflusst sind. Mir selbst fällt das in diesen Momenten gar nicht bewusst auf. Aber meine Frau hat sich schon hin und wieder beschwert, dass ich mich während gewisser Filme ziemlich seltsam benommen hätte.
Worauf muss sich Ihre Frau denn als nächstes einstellen, welche Projekte stehen für Sie ins Haus?
Mal gucken, noch ist nichts definitiv. Vielleicht drehe ich in Frankreich einen Kriegsfilm. Aber wenn ich in meiner Karriere als Schauspieler eines gelernt habe, dann dass man Geduld haben muss. Wenn man sich den Luxus gönnen will, nur Filme zu drehen, die man als Herausforderung betrachtet oder inspirierend findet, dann bleibt es nicht aus, dass man auch mal nichts zu tun hat. Denn solche Drehbücher gibt es eben nicht jeden Monat. Aber wenn man dann doch mal wieder eines in den Händen hält, dann ist das eine solche Genugtuung, dass sich dafür jede Durststrecke lohnt, in der man nichts tut, außer die Spülmaschine auszuräumen.
