- Text: Daniel Schieferdecker
- Erscheinungsdatum: ..16.09.2010
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The American
Killer auf Abwegen
George Clooney spielt Jack, einen Profikiller, der sich irgendwann der Frage stellen muss, wie er eine Zukunft fernab von Auftragsmorden realisieren soll. Als er aussteigen möchte, kommt er jedoch nicht nur in Schwierigkeiten mit der Chefetage, auch die eigene innere Zerrissenheit zwischen Mord und Moral, Gewalt und Sensibilität ist es, die der niederländische Regisseur und Star-Fotograf Anton Corbijn zum übergreifenden Thema seines zweiten Spielfilms macht.
Nachvollziehbar wird dieser innere Kampf mit sich selbst, wenn man weiß, dass Jack von Beruf Profikiller ist, seinen Job jedoch schnellstmöglich an den Nagel hängen will. Der Grund: Seine Sehnsucht danach, sich endlich irgendzurückziehen zu können und emotionale Geborgenheit zu erfahren. Beides findet Jack während der Ausführung seines letzten Auftrags bei der Prostituierten Clara (Violante Placido), mit der er ein gänzlich neues Leben beginnen möchte.
Der geübte Kinogänger weiß jedoch, dass es Jobs gibt, bei denen es für Kündigungsschreiben keine Abnehmer gibt – und der Job des Profikillers gehört definitiv dazu. Insofern überrascht es nicht sonderlich, dass sich Jack im Zuge der Durchführung seines letzten Auftrags ständig mit ungeliebten Kollegen herumschlagen muss, die es nun auf ihn abgesehen haben.
Zugegeben: Der Plot ist alles andere als neu und dürfte durchaus das ein oder andere Déjà-vu heraufbeschwören. Vor allem die Nähe zum Kinoklassiker „Der Schakal“ von 1973 ist allzu offensichtlich und könnte Skepsis hervorrufen. Doch die ist vollkommen unbegründet. Denn was der Story an Innovation fehlt, machen Clooney und Corbijn durch hervorragende Performances und mitreißendes Engagement allemal wett.
Dabei sollte man sich von den Eindrücken der Trailer nicht täuschen lassen. „The American“ ist kein knallharter Action-Thriller, wenngleich es durchaus ein paar rasante und packende Szenen zu bestaunen gibt. Doch das Hauptaugenmerk Corbijns liegt auf der Figur Jacks, in die auch Clooney all sein Können hineingelegt hat. Auf der einen Seite mimt er die skrupellose Mordmaschine ohne Gewissen, auf der anderen Seite verkörpert er eine getriebene Seele auf der Suche nach innerem Frieden.
Diesen Zwiespalt bringt der Star in seinem zurückhaltenden, aber wahnsinnig differenzierten Spiel jederzeit gekonnt auf den Punkt. Mit Hilfe seines fotografischen Backgrounds gelingt es Corbijn, das Wesen Jacks gelungen zu unterstützen, ohne sich dabei allzu sehr in den Vordergrund zu drängen – durch den Einbau von Landschaft, Architektur oder die Verwendung nicht allzu verbrauchter Kamera-Einstellungen.
„The American“ ist Thriller und Charakterstudie zugleich. Ein Film, der seine Faszination weniger aus den Action-Elementen, sondern aus seiner Stimmung bezieht. Die Bedrohung ist permanent fühlbar, und gerade die Langsamkeit und Schwere in bestimmten Sequenzen hebt sich angenehm ab von der hektischen Videoclip-Ästhetik ähnlich gearteter Werke. Insofern ist „The American“ all denen zu empfehlen, die entweder a) George Clooney-Fans sind, b) sich an anspruchsvoll fotografiertem Suspense-Kino erfreuen können oder c) mal hören wollen, wie es klingt, wenn Herbert Grönemeyer für den Score eines Spielfilms verantwortlich zeichnet.
Text: Daniel Schieferdecker
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