- Text: Dirk Lüneberg
- Erscheinungsdatum: ..02.09.2010
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Männertrip
Wilde Tage, wilde Nächte
Bei den heutzutage in TV-Shows gecasteten Boy- oder Girlie-Bands ist nicht mehr viel zu spüren vom legendären „Sex & Drugs & Rock’n’Roll“-Feeling.
Sie sind pflegeleicht, artig und strebsam, tanzen selten aus der Reihe und machen brav alles, was ihre Plattenbosse oder Produzenten von ihnen verlangen. Entsprechend muss man in der Musikgeschichte entweder ein paar Jahre zurückgehen, um noch etwas vom ungebändigten Geist des Rock’n’Roll lebendig werden zu lassen - oder man reanimiert einen zwischendurch in Vergessenheit geratenen Star, der in Erinnerung an die guten alten Zeiten noch einmal ordentlich die Sau raus lässt.
Beim neuen Werk des derzeit so angesagten US-Komödienspezialisten Judd Apatow (der diesmal nur als Produzent fungierte) entschied man sich für letztere Variante. Auf der Suche nach neuen Stars schlägt Plattenlabel-Praktikant Aaron (Jonah Hill) seinem Chef Sergio (ein bestens aufgelegter Sean „P. Diddy“ Combs spielt sich quasi selbst) vor, doch den seit einigen Jahren in der Versenkung verschwundenen Brit-Rocker Aldous Snow (Russell Brand) zu einem Comeback zu überreden. Sergio ist von Aarons Idee spontan begeistert und beauftragt ihn, Snow in London abzuholen und mit ihm zusammen wieder zurück in die Staaten zu fliegen, wo zunächst ein Auftritt im Frühstücksfernsehen auf den einst so berühmten Star wartet, bevor es weiter zu seinem Jubiläumskonzert nach Los Angeles geht. Damit auch sicher gestellt ist, dass Snow jeweils pünktlich und nüchtern erscheint, soll Aaron ihm nicht von der Seite weichen. Aber schon vor ihrem Abflug aus London schleppt der abgehalfterte Musiker den braven Praktikanten durch diverse Clubs, so dass sie gleich mehrere Flugzeuge Richtung New York verpassen. Doch das soll erst der Auftakt einer dreitägigen Odyssee mit reichlich Sex & Drugs & Rock’n’Roll werden...
Die Idee hinter diesem Spin-Off von „Nie wieder Sex mit der Ex“ klingt durchaus vielversprechend, und mit Hill und Katy Perry-Lover Brand wurde auch eine charismatisch-sympathische Besetzung gefunden. Dazu wurden noch zahlreiche Musiker zu Gastauftritten überredet, was darin gipfelt, dass sich Metallica-Drummer Lars Ulrich sogar in einer kleinen Nebenrolle selbst spielen darf. Das Problem dieser Komödie ist nur, dass die Lust am Exzess irgendwann in Frust umschlägt und dem Ganzen kurz vor Schluss noch der komödiantische Treibstoff ausgeht. Bis dahin jedoch kommt man ordentlich auf seine Kosten.
Text: Dirk Lüneberg
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