- Text: Patrick Heidmann
- Erscheinungsdatum: ..23.09.2010
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Bewertung:
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3 Fragen an
... Moritz Bleibtreu,
der in diesem Jahr mal wieder so fleißig und vielseitig ist wie kaum ein anderer. Nach Rollen in „Soul Kitchen“ Bushidos „Zeiten ändern Dich“ und „Jerry Cotton“ sowie vor einem Auftritt in „Goethe!“ (startet im Oktober) liefert er nun seinen kontroversesten Auftritt ab: in Oskar Roehlers „Jud Süß – Film ohne Gewissen“ spielt er niemand anderen als Joseph Goebbels.
Moritz, bei der Berlinale-Premiere war „Jud Süß“ - gelinde gesagt - umstritten. Kannst du mit Kritik und Buh-Rufen gut umgehen?
Der Film befasst sich auf eine sehr neue und eigene Art mit der deutschen Zeitgeschichte. Dass das zu Kontroversen führt, liegt in der Natur der Sache und ist völlig in Ordnung. Auch wenn gebuht wird, ist das okay, das gehört zu meinem Beruf dazu. Das darf jeder, solange er nicht persönlich wird. Nur wenn jemand persönlich wird, werde ich auch persönlich.
Hattest du bei deiner Goebbels-Darstellung eigentlich Angst vor der Grenze zur Karikatur?
Nee, denn es war von Anfang an klar, dass ein gewisses satirisches Element gar nicht ausbleiben kann. Die Figur als solche ist ja fast schon ein bisschen metaphorisch angelegt, als Inbegriff der Verführung und des Bösen. Außerdem hat Goebbels aus der heutigen Betrachtung fast etwas Clownesques. Diese Form der Diktion, dieser übersteigerte Manierismus, diese Eitelkeit – das war damals normal, aber heute ist das doch Satire pur. Wobei man das auf keinen Fall mit einer Verharmlosung verwechseln darf.
Ging es dir denn bewusst darum, mal eine andere Seite zu zeigen? Oft wirst du ja eher als Sympathieträger besetzt...
Gar nicht, denn ich „konstruiere“ meine Karriere nicht. Ich mache Dinge, die ich interessant finde. Mehr Überlegungen stecken da nicht hinter. Es liegt mir wirklich völlig fern, strategisch zu planen, ob ich nach einem Film mit Bushido lieber Goebbels oder irgendetwas anderes spielen sollte. Ich habe weder etwas zu beweisen noch will ich die Leute schocken.
Jud Süß – Film ohne Gewissen
Ab 23. September im Kino,
Interview: Patrick Heidmann
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