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Bild: Im Interview
  • Text: Patrick Heidmann
  • Erscheinungsdatum: ..14.10.2010
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Im Interview
Zack Snyder


Seit seinem Kinodebüt „Dawn of the Dead“ gilt Zack Snyder als Experte für humorvoll-blutige Erwachsenenunterhaltung, was er anschließend mit den beiden Graphic Novel-Adaptionen „300“ und „Watchmen“ noch unterstrich. Deswegen überrascht es ein wenig, dass der US-Regisseur nun mit „Legende der Wächter“ ausgerecht ein Kinderbuch verfilmt hat. Wir haben mal nachgefragt, warum – und ob er nun angefixt ist, was 3D angeht.


Zack, Deine Fans lieben Dich für brutale Unterhaltung wie „300“ oder „Watchmen“. Wie kommt es, dass Du jetzt plötzlich einen Zeichentrickfilm über Eulen gedreht hast?
Zum Teil sind natürlich meine Kinder Schuld, die immer wieder gefragt haben, wann ich eigentlich mal einen Film drehe, den auch sie sehen dürfen. Aber vor allem hat mich die Sache optisch gereizt, denn ich wusste, dass in dieser Geschichte Wahnsinns-Bilder und eine Welt wie in „Herr der Ringe“ stecken würden. Ich habe mich sehr darauf gefreut, ausgehend von der Buchvorlage meine ganz eigene Welt zu schaffen.

Fiel es Dir denn leicht, auf blutige Gemetzel zu verzichten oder musstest Du Dich zusammenreißen?
Na ja, es ist nicht so, dass ich die Eulen sich erst gegenseitig schlachten lassen habe und am Ende alles wieder herausschneiden musste, damit das auch Kinder gucken können. Wenn man die Bücher von Kathryn Lasky gelesen hat, bekommt man ein ganz gutes Gefühl, wie viel Düsternis diese Geschichte verträgt. Daran habe ich mich stets orientiert und weil ich vollsten Herzens in ihre Welt eingetaucht bin, fühlte es sich für mich nicht an, als würde ich auf Krampf meine natürlichen Instinkte unterdrücken.

Macht es als Regisseur eigentlich einen großen Unterschied, ob man einen Animations- oder einen Realfilm inszeniert?
Ich hatte ein fantastisches und vor allem erfahrenes Team aus Animatoren, Produktionsdesignern etc., so dass ich der Sache nicht vollkommen hilflos gegenüber stand. Natürlich hatte ich nicht die geringste Ahnung, wie das bei einem Animationsfilm alles abläuft, da habe ich keinen Hehl draus gemacht. Aber ich ging einfach immer davon aus, wie ich meine Arbeit sonst mache. Was dann zu solchen Regieanweisungen führte wie: „Wenn diese beiden Eulen Schauspieler wären, würde ich die Szene so und so drehen...“ Wir haben also letztlich so getan, als würden wir einen Live-Action-Film drehen – und sobald mein Team mit diesem Ansatz vertraut war, brachten die Jungs mir nach und nach die Zeichentrick-Kniffe bei. Es dauerte nicht lange und die Sache lief wie geschmiert.

War immer klar, dass der Film in 3D entsteht oder ist das dem aktuellen Boom geschuldet?
Nein, das war langfristig geplant. Ein kurzfristiges Überlaufen wie bei manchem der derzeitigen 3D-Filme hätte man mit einem so aufwändigen Animationsfilm gar nicht machen können. Ich hatte die Idee schon früh, denn mir schien 3D ideal für eine Art Guckkasten-Gefühl, so als würde man wirklich vom Kinosaal aus hinein in eine andere Welt schauen.

Bist Du ganz allgemein ein Freund dieses Hypes, möglichst jeden Film in 3D ins Kino zu bringen?
Letztlich ist das doch wie bei allem eine Frage des Könnens. Wenn es richtig und vor allem gut eingesetzt wird, ist 3D für einen Regisseur ein fantastisches Werkzeug, um die Realität eines Films noch viel spektakulärer zu machen. Aber man kann eben auch schlecht damit umgehen, und dann verliert 3D jeglichen Reiz. Diskussionen sollten also darum gehen, ob Filmemacher diese neue Entwicklung sinnvoll nutzen, nicht ob 3D allgemein gut oder schlecht ist. Man kann natürlich niemandem verbieten, einen 3D-Film ins Kino zu bringen, deswegen wird es nicht ausbleiben, dass uns viel Zeug geboten wird, mit dem nur schnell zusätzliches Geld verdient werden soll. Aber für die passenden Geschichten wird 3D künftig immer eine Berechtigung haben und nicht bloß ein Hype bleiben.

Wird denn Dein nächster Film „Sucker Punch“, der im Frühjahr in die Kinos kommt, auch in 3D sein?
Nein, wird er nicht. Denn tatsächlich habe ich in dem Fall dank „Legende der Wächter“ gemerkt, wie viel Arbeit das ist, wenn man es richtig gut. Die Zeit – und das Geld – hatte ich für „Sucker Punch“ , der übrigens wieder klassische Snyder-Action ist, nicht. Und auf halbherzige Sachen wollte ich mich nicht einlassen, also habe ich es einfach bei 2D belassen.

Wo wir gerade von kommenden Projekten sprechen: wie sieht es mit einer Fortsetzung von „300“ aus?
Da bin ich dran. Das Drehbuch steht ungefähr zur Hälfte, gleichzeitig arbeitet Frank Miller an der zugehörigen Graphic Novel. Unser Tempo hängt immer ein bisschen von den Seiten und Bildern ab, die er uns schickt. Aber es wird den Film auf jeden Fall geben, eher früher als später. Allerdings ist er kein echtes Sequel, sondern erzählt die Geschichte einer Seeschlacht, die letztlich parallel zu „300“ stattfindet. Und hier könnte ich mir übrigens 3D wieder sehr gut vorstellen.


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