- Text: Patrick Heidmann
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die royal tenenbaums
Schräge Familienbande
Seine Familie kann man sich weiß Gott nicht aussuchen, auch wenn man es sich noch so oft wünschen würde. Chas, Margot und Richie Tenenbaum jedenfalls dürften ihr Elternhaus mehr als einmal verflucht haben.
Dabei haben es die drei auf den ersten Blick gar nicht so schlecht getroffen. Alle drei sind hochintelligente Wunderkinder. Chas (Ben Stiller) machte schon mit 15 Karriere als Immobilienmakler, Adoptivschwester Margot (Gwyneth Paltrow) etablierte sich früh als gefeierte Theaterautorin und Richie (Luke Wilson) wurde zum besten Tennisspieler der Welt. Doch mit dem Erwachsenwerden stellten sich zusehends Erfolglosigkeit und Depressionen ein. Chas trauert um seine Frau und verweigert den beiden Söhnen jeden Spaß. Margot langweilt sich in ihrer Ehe und gibt sich ketterauchend ihrer Schreibblockade hin. Und Richie hat den Tennisschläger an den Nagel gehängt, reist über die Weltmeere und steigert sich in seine heimliche Liebe zu Margot. So ist es kein Wunder, dass sie sich eines Tages alle wieder im Haus ihrer Kindheit bei ihrer Mutter Etheline (Anjelica Huston) einfinden. Genauso übrigens wie ihr Vater Royal (Gene Hackman), der sich auf seine alten Tage noch mal mit Frau und Kindern versöhnen will, und vorgibt, todkrank zu sein. Doch so einfach lässt sich die Harmonie bei den verkorksten Tenenbaums natürlich nicht wieder herstellen.
In Hollywood gilt Regisseur Wes Anderson seit seinen Filmen 'Bottle Rocket' und 'Rushmore' selbst als Wunderkind. Gemeinsam mit seinem besten Freund Owen Wilson (der auch in einer Nebenrolle zu sehen ist) hat er das Drehbuch zu 'Die Royal Tenenbaums' geschrieben, für das die beiden gerade eine Oscar-Nominierung erhalten haben. Völlig zu Recht, denn die schräge Komödie im charmanten 70ies-Look über die schrägste aller Familien sucht ihresgleichen. Bis zum Bersten ist der Film gefüllt mit skurrilen Ideen, kleinen Details und einer hinreißenden Ausstattung. Auch das Schauspielerensemble, zu dem auch Bill Murray und Danny Glover gehören, begeistert uneingeschränkt. Ben Stiller im roten Trainingsanzug ist schon optisch umwerfend und Gwyneth Paltrow ist herrlich gegen den Strich besetzt. Im Mittelpunkt steht allerdings Gene Hackman, der in seiner langen Karriere selten so lustig und so gut war.
Wer nun allerdings eine grell-alberne, rasante Komödie erwartet, dürfte von den 'Royal Tenenbaums' enttäuscht sein. Man muss schon einen feinen Sinn für Skurrilität und Ironie haben, um nicht verständnislos im Kino zu sitzen. Auch dass Anderson seine Geschichte mit unglaublich viel Understatement, fast emotionslos, umgesetzt hat, dürfte Fans von anspruchslosem Mainstreamkino Probleme bereiten. Wer sich aber wirklich auf Royal Tenenbaum und die Seinen einlässt, wird sich dem ganz eigenen Charme dieser Familie nicht entziehen können.
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