- Text: RasMatza, somewhere over the Bahnhofsklow
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resident evil
Alice im Horrorland
Wenn ein unendlich populäres Computerspiel wie 'Resident Evil' fürs Kino verfilmt wird, interessiert das meist nicht nur Filmfans! Darum hat sich für euch nicht nur unser Kinoredakteur Moritz Staemmler den Film angeschaut. Auch unser geliebter und durchgeknallter Comic-Freak Dr. Frank Matza hat 'Resident Evil' gesehen und wird hier seine Meinung kundtun. Ein Film - zwei Meinungen!
Was haben Lewis Carrols Kinderbuch 'Alice im Wunderland' und 'Resident Evil', der neueste Film von Paul Anderson ('Mortal Kombat', 'Event Horizon') gemeinsam? In beiden Werken ist es eine Hauptfigur namens Alice, die durch einen Spiegel in eine völlig andere Welt eintritt und durch ihre Erlebnisse dort erfährt, wer sie eigentlich ist. Die Welt von 'Resident Evil' ist allerdings nichts für schwache Nerven.
Alice (Milla Jovovich) weiß nicht, wie ihr geschieht: Aus einer Bewusstlosigkeit wacht sie mit komplettem Gedächtnisverlust auf. Im nächsten Moment dringt ein schwer bewaffneter Elitetrupp in das Haus ein, nimmt sie und einen weiteren Unbekannten namens Matt (Eric Mabius) gefangen und bringt beide durch einen großen Spiegel zu einer unterirdischen Bahnstation. Das Duo wird durch einen weiteren Unbekannten (James Purefoy) zum Trio komplettiert und per Bahn zu einer riesigen Forschungsstation ('The Hive') gebracht, in dem sich zuvor grauenvolle Szenen abgespielt haben: Die Red Queen, ein die Station überwachender Supercomputer, hat im Mord-Rausch sämtliche Mitarbeiter getötet und ein Nervengas freigesetzt. Dieses hat jedoch neben der Verursachung von Gedächtnisverlust eine weitere unangenehme Nebenwirkung: Es erweckt die Toten wieder zum Leben, so dass sich die Crew neben den tödlichen Hürden der Red Queen gegen ungebetene Eindringlinge einer Hundertschaft von Zombies und anderen Kreaturen ausgesetzt sieht. Zudem wurden im 'Hive' Wesen gentechnisch gezüchtet, die in ihrer Unvollkommenheit besonders gefährlich werden und in Form des 'Licker' dem schon deutlich dezimierten Team ein vermeintlich letztes großes Hindernis aufbürden.
Mit 'Resident Evil' ist Anderson ein Horrorfilm erster Güte gelungen, der seine Zuschauer im konstanten Gefühl der Angst lässt. Dabei verlässt sich Anderson nicht auf aufwändig produzierte Spezialeffekte, sondern geht von dem Grundgedanken aus, dass in jedem Ort das Grauen herrschen kann und konzentriert sich eher auf herkömmliche filmische Horror-Effekte, ohne diese jedoch altbacken aussehen zu lassen. Durch den geschickten Einsatz von drei besonderen filmischen Höhepunkten - eine Laserwaffe, Zombie-Hunde und dem 'Licker' - besteht gleichzeitig auch keine Überfrachtung an großen Horrorelementen, so dass kleinere Sequenzen weder Gefahr laufen unterzugehen, noch harmlos zu wirken. Unterstützt wird Anderson durch ein hervorragendes Schauspieler-Ensemble, allen voran Milla Jovovich ('Das fünfte Element'), die Alices Suche nach der eigenen Identität plausibel gestaltet, wenngleich sich so mancher Erkenntnisgewinn ein wenig schnell vollzieht: Eben noch eher verängstigt und kraftlos wirkend, haut sie nach einem kurzen Erinnerungs-Flashback, in der ihr ihre Kampfeskünste bewusst werden, ein Rudel Dobermänner nach bester Matrix-Manier in die Pfanne. Sowohl Eric Mabius ('Tempted') als auch James Purefoy ('Ritter aus Leidenschaft') hüllen ihre Charaktere in einen gruseligen Schleier von Undurchsichtigkeit, so dass sich das Publikum nie sicher sein kann, wer sich tatsächlich hinter ihnen verbirgt. Einzig Michelle Rodriguez ('Girlfight') beschränkt ihre Rolle auf eine meist sehr böse dreinblickende Soldatin, was neben den anderen ein wenig zu eindimensional wirkt. Heike Makatsch ist übrigens in einer kleinen Nebenrolle auch mit von der Partie.
Fazit: 'Resident Evil', der größtenteils in Berlin gedreht und von Bernd Eichinger produziert wurde, ist ein Horrorfilm von internationalem Format und gleichzeitig eine der besten Umsetzungen eines erfolgreichen Computerspiels für die Leinwand, bei dem beim Zuschauer nie das Gefühl aufkommt, er müsse im Kino nach dem Joystick tasten, um in die Handlung einzugreifen.
'Willst du zu 'Resident Evil' gehen? Das ist ein Kinofilm über ein Computerspiel, und du bist doch Comicredakteur.' Der Film kann ja nur besser sein als das Spiel, bei dem ich immer zu langsam war, um die blinkenden Männchen wegzuballern. Also schnell noch was zu essen besorgt und zurückgelehnt.
Die Rahmenhandlung ist klassisch: Das unterirdische Genlabor 'The Hive' verliert seinen Bestand an Human Resources und wird durch den Supercomputer 'Red Queen' kontrolliert. Ein Haufen verwegener Kämpfer macht sich auf den Weg, ein paar Abenteuerpunkte zu sammeln. Bevor sie von einem Landhaus aus mit einem Zug ihren Einsatzort erreichen, lesen sie drei undurchsichtige Personen auf, die am Bahnhof rumlungern und sich an nichts erinnern können (immer das gleiche). Unter ihnen ist Milla Jovovich als Alice sowie zwei Typen, die man gleich auf dem Kieker hat. Alice hat ein Stirnband wie Rambo in 'Rambo Teil 2', allerdings schick als Kleid gewickelt. Ab jetzt läuft alles so, wie man es sich erhofft: falsch! Die Gruppe bleibt natürlich nicht zusammen, schlägt gut gemeinte Warnungen in den Wind - dann kommt der Computer ins Spiel und macht erst mal eine Handvoll tot. Ich wünsche mir zwischen Brötchen und Rachen genau so einen Gleitfilm wie ein Paar von den Hauptdarstellern zwischen ihren gewürfelten Körperteilchen haben, bevor sie auseinanderpurzelten. Also schnell mit etwas Joghurt runterspülen, die verdörrte Schrippe.
Weiter geht's. Die Eindringlinge setzen die Systeme außer Betrieb. Gut für die Handlung, schlecht für die Teilnehmer, die sich jetzt einem Zombieüberfall stellen müssen. Es war aber noch Leben im Hive, denn einige Tierkäfige waren umständlich nach außen aufgebogen und die armen Viecher haben sich bei der Befreiung verletzt. Als ich die zweite kleine Gemeinsamkeit zu Lewis Carrols Geschichte ausmache, bemerke ich gleichzeitig einen Joghurtbecher, der durch den Raum fliegt. Gott sei Dank nicht in meine Richtung. 'Toto, Alice' Hund', schießt es mir durch den Kopf; 'Pfirsich-Maracuja', schießt es einem Mann ein paar Reihen weg von mir über den Kopf; 'Der Fuß einer in rotes Stirnband gewickelten Frau', denkt der Dobermann.
'Resident Evil', ein Horrorfilm von Paul Anderson, produziert von Bernd Eichinger. Nichts Neues zwar, ein bisschen 'Alien', Grusel, Zombiefilm, 'Matrix' und 'Lola Rennt' und das, was aus 'Unendliche Geschichte' rausgeschnitten werden musste, aber verdammt gut gemacht. Die Figuren bleiben lange undurchsichtig, somit auch das Ende, obwohl schon klar ist, dass ein paar überleben und die Oberfläche ohne Zombieinfektionen erreichen. Die Spannung wird durch den dosierten Einsatz von bekannten Gruselelementen unterstützt, der Film ist trotz ekeliger Zombies weit entfernt vom bloßen Splatterspektakel. Schnelle Bilder, optisch ansprechende Erinnerungssequenzen und ein sich steigendes Tempo sowie Tageslicht nach der Vorstellung machen diesen Film zu einem angenehmen Ereignis.
Ich habe mir aber ein ums andere mal ein Joypad gewünscht, um Pause zu drücken, um dem Mann ein paar Taschentücher hinterher zu werfen, oder für die Wiederholung!
Und obwohl mein Appetit nach dem Film gering war, vermisste ich meinen Joghurt.
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