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Bild: Orlando Bloom
  • Text: Patrick Heidmann
  • Erscheinungsdatum: ..1.9.2011
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Orlando Bloom
Im Interview


Zehn Jahre ist es her, dass Orlando Bloom – frisch von der Schauspielschule gekommen – als Legolas in „Der Herr der Ringe“ über Nacht berühmt wurde. Peter Jacksons Fantasy-Epos blieb nicht der einzige Erfolg des Briten, der natürlich auch in den beiden Fortsetzungen sowie in der „Fluch der Karibik“-Trilogie und Filmen wie „Troja“ oder „Königreich der Himmel“ mit von der Partie war. Zuletzt wurde es ein wenig ruhiger um den 34-Jährigen, der 2010 das Model Miranda Kerr heiratete und ein halbes Jahr später zum ersten Mal Vater wurde. Doch nun meldet er sich mit „Die drei Musketiere“ zurück – und spielt darin überraschenderweise nicht einen der Helden, sondern den fiesen Duke of Buckingham.


Orlando, „Die drei Musketiere“ wurde ausschließlich in Deutschland gedreht. Wie hat Ihnen die Arbeit hier gefallen?
Ganz fantastisch. In Berlin und Babelsberg war ich nur für ein paar wenige Szenen, aber natürlich war ich vorher schon mal in Berlin und liebe die Stadt sehr. Jetzt bin ich aber auch Fan von Bayern, wo der größte Teil der Dreharbeiten stattfand. Schon allein des Biers wegen, das sicher das Beste sein dürfte, das ich je getrunken habe. Ich habe schon in Ländern wie Marokko oder Neuseeland gedreht, aber Deutschland war kein bisschen weniger besonders für mich. Die Gastfreundschaft war fantastisch, das Essen gut und die Arbeitsbedingungen wirklich erstklassig. Ich hätte nichts dagegen bald wiederzukommen!

Normalerweise spielen Sie selbst den Helden, dieses Mal sind Sie nun als Bösewicht zu sehen. Wie war das?
Genau das war es, was mich an diesem Film gereizt hat. Ich war begeistert, als unser Regisseur Paul W.S. Anderson mir die Rolle des Duke of Buckingham anbot, denn genau nach einer solchen Gelegenheit hatte ich gesucht: etwas ganz anderes als das, womit ich bekannt geworden bin.

Es gab den Duke wirklich, nicht wahr?
In der Tat. Er war ein Günstling des englischen Königs, ein verwöhnter, eitler und enorm reicher Schnösel. Für unseren Film war die historische Figur natürlich nicht wirklich entscheidend, aber ich habe mein Wissen über ihn natürlich schon in die Rolle einfließen lassen. Ich spiele ihn fast ein wenig wie ein verzogenes selbstgerechtes Kind.

Gedreht wurde „Die drei Musketiere“ in 3D. Macht sich das für Sie als Schauspieler in der Arbeit bemerkbar?
Für mich war es das erste Mal, und ich muss schon sagen, dass die Arbeit ein bisschen anders war. Schon weil die Kameras so riesig sind und so viel Platz einnehmen. Vieles dauert einfach ein bisschen länger, daran muss man sich durchaus gewöhnen. Aber es ist nicht schwieriger oder komplizierter, sondern einfach nur neu und anders.

Es gab schon viele Verfilmungen des Romans von Alexandre Dumas. Waren Sie mit der Geschichte vertraut?
Und wie! Ich habe wirklich viele der Leinwand-Adaptionen gesehen, vor allem die aus den Siebzigerjahren mit Oliver Reed und Richard Chamberlain und natürlich die aus den Neunzigern mit Kiefer Sutherland und Charlie Sheen. Und als Kind habe ich irgendwann im Fernsehen sogar mal die uralte Schwarzweiß-Version mit Douglas Fairbanks gesehen. Aber ich finde wirklich, dass diese tolle Geschichte und ihre Themen so zeitlos und vor allem so unglaublich unterhaltsam sind, dass es nur Sinn macht, dass jede Generation eine eigene neue Verfilmung bekommt.

Es ist eine Weile her, dass man Sie in einem großen Film auf der Leinwand gesehen hat…
Das stimmt, die letzten paar Jahre habe ich dazu genutzt, viel zu reisen und neue Lebenserfahrungen zu sammeln. Gearbeitet habe ich eigentlich nur bei ein paar kleineren Produktionen, in denen ich vielleicht nicht unbedingt Bösewichte wie nun den Duke of Buckingham, aber doch zumindest interessantere, vielschichtigere Rollen gespielt habe. Für meinen Kollegen Mark Ruffalo spielte ich zum Beispiel in seiner Regiearbeit „Sympathy For Delicious“ einen abgehalfterten Rockstar, was sehr viel Spaß gemacht hat. Und das Drama „The Good Doctor“ habe ich sogar selbst produziert.

Suchten Sie bewusst Abstand zu Hollywood und dem damit verbundenen Trubel?
Es war eher so, dass ich nach neuen Herausforderungen Ausschau hielt. Ich wollte mich weiterentwickeln und neue Seiten kennenlernen, an mir selbst genauso wie an meinem Beruf. Hinter mir lagen mit „Der Herr der Ringe“ und „Fluch der Karibik“ zwei riesige Trilogien, nach denen ich einfach Lust auf etwas vollkommen anderes hatte.

Haben Sie denn dann gezögert, „Die drei Musketiere“ anzunehmen? Daraus könnte ja durchaus auch eine Trilogie werden.
Schauen wir mal! Und tatsächlich habe ich einen Moment überlegt, ob ich mich wieder auf so eine Großproduktion einlassen will. Aber ich hatte einfach so viel Spaß an dieser Rolle und Paul W. S. Anderson ist so ein toller Typ, dass ich einfach nicht ablehnen konnte. Es wäre leichtsinnig gewesen, die Gelegenheit nicht zu nutzen, denn so viele bekommt man davon nicht.

Anfang des Jahres sind Sie zum ersten Mal Vater geworden. Das bedeutet sicherlich noch mal eine ganz neue Veränderung für die Karriere, oder?
Ja, ab sofort reisen wir wann immer möglichst als Familie zu den Dreharbeiten. Ich hoffe zumindest, dass ich nie allzu lange von meiner Frau und unserem Sohn Flynn getrennt bin. Aber wir werden sehen, wie das klappt und ob irgendwann mein Vatersein meine Rollenauswahl oder meine Karriere beeinflusst. Das kann ich im Moment noch gar nicht abschätzen.

Derzeit sind Sie in Neuseeland, wo Sie für „Der Hobbit“ noch einmal in die Rolle des Elfen Legolas schlüpfen, als der Sie in „Der Herr der Ringe“ berühmt wurden…
Spannend, nicht wahr? Ich jedenfalls finde es wahnsinnig aufregend, dass wir uns tatsächlich noch einmal auf dieses unglaubliche Abenteuer einlassen können. Peter Jackson ist ein wirklich fantastischer Regisseur und selbstverständlich war ich enorm geschmeichelt, als er mich fragte, ob ich wieder mit dabei sein wolle. Aber es geht gerade erst los, ich kann – und darf – natürlich noch nichts verraten.


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