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die unclesally*s-jury vergibt ihre preise
Der Goldene Bär für Chef-Entertainer Dieter Kosslick


Mit weißem Schal und keckem Bärtchen turnte der neue Festivalleiter Dieter Kosslick wie eine gewitzte Mischung aus sympathischem Pausenclown und charmantem Gastgeber zwischen seinen Gästen herum. Wie verflogen waren die Erinnerungen an den oft grimmig blickenden Moritz de Hadeln im Helmut Kohl-blauen Anzug. Bis auf wenige Neuerungen, wie sein starkes Engagement für den deutschen Film, hat Kosslick am Festivalgiganten 'Berlinale' allerdings kaum etwas verändert. Viel entscheidender war, dass sich der Neue unermüdlich um gute Laune und eine angenehm freundliche Berlinale-Stimmung bemühte. Um keinen Witz verlegen, hielt er seine Eröffnungsansprache in peinlichem Nicht-Englisch und legte einen beherztem Auftritt anlässlich Wim Wenders 'BAP'-Films an der E-Klampfe neben Wolfgang 'Inge-Meysel-Frisur' Niedecken hin. Dieter Kosslick Superstar!


Der Silberne Bär für seltsamen Sex und heiße Zigaretten in Wettbewerbsfilmen


Heimlich rauchen wie Gwyneth Paltrow in 'Die Royal Tenebaums' musste in den Berlinale-Filmen wirklich keiner. Und so frönten sie alle ihrer Sucht: Die Zigaretten von Catherine Deneuve und Fanny Ardant im Publikumsliebling und boulevardesken Krimimusical '8 Femmes' glimmten natürlich in edlen Zigarettenspitzen. In der lebensnahen Tragikkomödie 'Minor Mishaps' hingegen wurde auf einen der zahlreichen Schicksalsschläge mit dem Anzünden von gleich vier Zigaretten reagiert. Während in Lasse Hallströms Gutmenschen-Film 'Schiffsmeldungen' logischerweise nur das nuttige Biest Cate Blanchett paffen durfte, lenkten im bedrückend-bewegenden Südstaaten-Liebesdrama 'Monster's Ball' einige flotte Kurz- und zwei heiße Langficks von der Dauerqualmerei ab. Weniger flott und heiß war der Sex in anderen Wettbewerbsfilmen: In Deutschland, wo der Sex bisweilen eher bodenständig ist, wurden Chris und Ellen in Andreas Dresens gefeierter Beobachtung deutscher Wirklichkeit 'Halbe Treppe' wild rammelnd in der Badewanne erwischt. Um einiges brutaler und perverser ging es da sextechnisch in Amos Kolleks enttäuschender Absurdität 'Bridget' oder dem umstrittenen und frauenfeindlichen koreanischen Liebesfilm 'Bad Guy' zu. Um den Wettbewerb zu gewinnen, brauchte es allerdings weder wilde Sexskapaden noch zwanghaft gefüllte Aschenbecher. Dazu genügte auch ein dokumentarisch anmutendes Politthema und überbordende japanische Animationsfantasie, wie die beiden Überraschungssieger 'Bloody Sunday' und 'Sen To Chihiro No Kamikakushi' bewiesen.


Die lobende Erwähnung für launige und lustige Stars


Die meisten Stars, die dieses Jahr in Berlin vorbeischauten, verhielten sich wie erwartet: Die Diva Deneuve schwebte standesgemäß 40 Minuten zu spät in die Pressekonferenz, um sich dann sonnenbebrillt vor lauter aufgebrachten Journalisten genüsslich eine Zigarette danach anzuzünden. Danach heißt in diesem Fall: Zuvor war angeblich in der VIP-Lounge der Häppchen-Appetit gestillt worden. Russell Crowe erschien zwar pünktlich, gab sich aber noch arroganter und grummeliger als gewohnt. Weder für seine durchaus vorhandenen Fans noch für die Presse schien der selbsternannte 'Working-Class-Boy' viel übrig zu haben. Professionell und sympathisch dagegen die Auftritte von Halle Berry, Cate Blanchett und Kevin Spacey, der für eine gelungene 'Hamlet'-Interpretation nicht mehr als eine Flasche Evian brauchte. Die Promidichte war nach Absagen von Kate Winslet, Judi Dench und Anjelica Huston nicht übermäßig hoch, worüber sich vor allem die Kleindarsteller deutscher Vorabendserien freuten. Zuhauf bevölkerten sie und andere Sternchen der Maren Gilzer-Liga die roten Teppiche!


Die Jury: Patrick Heidmann und Sascha Rettig
Die echten Gewinner:


Goldener Bär: 'Bloody Sunday' und 'Sen To Chihiro No Kamikakushi'
Großer Preis der Jury: 'Halbe Treppe'
Beste Regie: Otar Iosseliani ('Lundi Matin')
Beste Darstellerin: Halle Berry ('Monster's Ball')
Bester Darsteller: Jacques Gamblin ('Laissez-Passer')
Silberner Bär für herausragende künstlerische Leistung : '8 Femmes'
Bester europäischer Film: 'Minor Mishaps'
Teddy-Award (schwul-lesbischer Filmpreis): 'Walking on Water'


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