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Bild: Restless
  • Text: Patrick Heidmann
  • Erscheinungsdatum: ..13.10.11
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Restless
Teenager-Tragik


Es gibt nicht viele Regisseure im US-Kino, die sich so intensiv und grundlegend in die komplizierte Seelenlage von Teenagern einfühlen können wie Gus van Sant. Von „My Private Idaho“ über „Forrester – Gefunden!“ bis hin zu „Elephant“ oder „Paranoid Park“ stellt der Großteil seiner Filmografie mit subjektiver Intimität junge Menschen ins Zentrum der Aufmerksamkeit. So auch das romantische Drama „Restless“.
Enoch (Henry Hopper) ist ein typischer van Sant-Protagonist. Still leidet er am Unfalltod seiner Eltern, zieht sich weit zurück in seine eigene Gedankenwelt und spricht eigentlich nur mit seinem imaginären Freund Hiroshi (Ryo Kase), einem im Zweiten Weltkrieg gefallenen japanischen Soldaten. Wenn Enoch sich doch mal hinauswagt in den echten Alltag, dann schleicht er sich am liebsten auf fremder Leute Beerdigungen. Bei einer dieser Gelegenheiten begegnet er Annabel (Mia Wasikowska). Sie ist aus anderen Gründen regelmäßiger Gast auf Begräbnissen: Viele ihrer Freunde von der Krebsstation schaffen es nicht – und auch ihre eigene Erkrankung gilt als unheilbar. Dass sie in Enoch eine verwandte Seele gefunden hat, merkt sie schnell. Und nach anfänglichem Zögern lässt auch er sich auf eine Annäherung ein, obwohl ein Happy End doch ausgeschlossen ist.
Schon lange ist van Sant ein Regisseur, der zweigleisig fährt. Er dreht kleine, sperrige Filme wie „Last Days“, die ihren Zuschauern einiges abverlangen und auf Filmfestivals mit Preisen dekoriert werden. Aber er inszeniert auch anderer Autoren Drehbücher wie „Good Will Hunting“ als Auftragsarbeiten, die sich erkennbar mehr am Massengeschmack orientieren. In letztere Kategorie fällt nun „Restless“. Die Geschichte von Jason Lew und ihre leicht verschrobenen Figuren mögen zwar nicht purer Hollywood-Mainstream sein. Doch van Sant hält sich klar an klassische Erzählkonventionen, setzt auf eine chronologische Dreiakt-Struktur und zarten Indie-Folk-Pop als Soundtrack.
Ein schlechter Film ist „Restless“ deswegen keineswegs. Die Bilder sind bezaubernd hübsch, die Einfälle auf Inszenierungs- und Skript-Ebene durch die Bank ebenso (und nur gelegentlich ein bisschen zu gewollt). Vor allem aber legt van Sant einmal mehr das nötige Fingerspitzengefühl an den Tag, eine unendlich traurige Geschichte mit zu Herzen gehender Ernsthaftigkeit, aber eben auch einer guten Portion zarten Humors zu erzählen. Dass die Sentimentalität nicht in Kitsch abgleitet, liegt auch an seinen Hauptdarstellern: Henry Hopper, Sohn des legendären Dennis, gibt sein hier und da noch unbeholfenes, aber vielversprechendes Leinwanddebüt, während die wunderbare Mia Wasikowska aus „Alice im Wunderland“ und „The Kids Are All Right“ einmal mehr beweist, dass in ihrer Alterklasse niemand über mehr Nuancen im Spiel verfügt als sie.


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