- Text: Jonathan Fink
- Erscheinungsdatum: ..6.10.
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Kirsten Dunst
Melancholisch stark
Mit drei Jahren stand sie erstmals für Werbespots vor der Kamera, mit 12 gelang ihr mit „Interview mit einem Vampir“ der Durchbruch und mit Mitte 20 war Kirsten Dunst – nach Filmen wie „Spider-Man“, „Mona Lisas Lächeln“ oder „Marie Antoinette“ – reif für eine Pause. Doch noch vor ihrem 30. Geburtstag im kommenden Jahr feiert sie nun ihr Comeback und gewann als depressive Justine in Lars von Triers „Melancholia“ bereits den Preis als Beste Darstellerin beim Filmfestival in Cannes. Und das, obwohl die Rolle ursprünglich mal für Penélope Cruz geschrieben worden war.
Kirsten, hatten Sie schon länger den Wunsch, mit von Trier zu arbeiten?
Der Gedanke, dass es diese Möglichkeit geben könnte, war mir ehrlich gesagt noch nie gekommen. Natürlich kannte ich Filme wie „Breaking the Waves“ oder „Dancer in the Dark“, aber er arbeitet so fernab des Hollywood-Betriebs, wo ich ja sonst tätig bin, dass ich überhaupt nicht daran gedacht hätte, mal mit ihm zu drehen. Umso begeisterter war ich, als aus heiterem Himmel sein Anruf kam und er mir die Rolle anbot. Ich habe Luftsprünge gemacht wie ein kleines Kind, denn so begeistert war ich eigentlich nicht mehr, seit ich als junges Mädchen die Rolle in „Interview mit einem Vampir“ bekam.
Hielt diese Begeisterung denn während der Dreharbeiten an? Er soll ja am Set nicht gerade zimperlich mit seinen Schauspielerinnen sein...
Für mich hatte diese Arbeitserfahrung etwas unglaublich Befreiendes – und ob Sie es glauben oder nicht: ich hatte enorm viel Spaß. Wenn man bedenkt, was für ein starker Tobak „Melancholia“ eigentlich ist, ist es wirklich erstaunlich, wie viel wir gelacht haben. Dazu muss man allerdings auch sagen, dass Lars damals wirklich eine Hochphase hatte und es ihm sehr viel besser ging als bei vielen früheren Filmen.
Hatten Sie im Vorfeld Bedenken wegen der Arbeit mit ihm?
Bryce Dallas Howard, die in seinem Film „Manderlay“ die Hauptrolle spielte, ist eine gute Freundin von mir, deswegen habe ich sie natürlich ein bisschen über Lars ausgequetscht. Denn selbstverständlich war ich ein bisschen nervös, schließlich eilt ihm ja wirklich ein gewisser Ruf voraus. Aber sie hatte nur Gutes zu berichten. Ich war dann trotzdem überrascht, wie verletzlich und sensibel Lars ist. Kein Wunder, dass er nicht nur immer mit weiblichen Hauptdarstellern arbeitet, sondern auch hinter der Kamera vor allem von Frauen umgeben ist. Er weckte geradezu einen Beschützerinstinkt in mir.
Haben Sie sich mit ihm über seine eigene Depression – oder eben Melancholie – unterhalten?
Ja, er geht damit sehr offen um und hat mir nicht zuletzt mit Hinblick auf meine Rolle viel darüber erzählt. Er hat kein Problem damit, über Persönliches und vermeintlich Unangenehmes zu sprechen. Nicht zuletzt weil er weiß, dass er damit auch seinem Gegenüber hilft, sich selbst verletzlicher zu machen. Das Thema Depression ist ja insgesamt noch immer eher ein Tabu, auch wenn ich behaupten würde, dass die meisten Menschen zumindest eine Variation davon schon selbst erlebt haben. Deswegen ist „Melancholia“ ein so besonderer Film: nicht nur behandelt er das Thema auf erstaunliche Weise, sondern zeigt eben auch, welch große Kunst gerade aus einer Depression – also in diesem Fall der von Lars – entstehen kann.
Interview: Jonathan Fink
Kirsten Dunst - Melancholia, ab 6.10.2011 im Kino
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