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Bild: Berlinale 2009
  • Text: Cornelis Hähnel
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Berlinale 2009
Popcorn zur Eröffnung


Dutzende Quadratmeter kadmiumrote Auslegware bedecken den Marlene-Dietrich-Platz, Absperrgitter halten hartnäckige und wetterfeste Fans auf Distanz und die Fotografen boxen sich wieder die Ellbogen in die Seite: Ach schön, es ist wieder Berlinale!

Zehn Tage herrscht zum 59. Mal in der Hauptstadt der Kinoausnahmezustand, d.h. Schlange stehen, Kaffee in Krankenhausmengen, in zehn Minuten vom Alex zur Urania (sic!) kommen und auf Gästelistenplätze hoffen. Rund 400 Filme buhlen um die Aufmerksamkeit des Publikums, darunter bemühen sich besonders 18 Produktionen im offiziellen Wettbewerb um die Gunst der Jury. Deren Präsidentin ist heuer die Independent-Ikone Tilda Swinton, auf deren Entscheidung schon jetzt alle gespannt sind, da sie mit ihrem stets eleganten Spagat zwischen Untergrund und Mainstream als scharfsinnige und kompetente Kennerin und Kritikerin gilt. Bei der Entscheidung behilflich sind ihr die Regisseure Gaston Kaboré, Wayne Wang und Isabel Coixet, der Schriftsteller Henning Mankell und das Berliner Enfant terrible Christoph Schlingensief, der einen relativ vitalen Eindruck auf dem Weg zum Berlinale Palast machte. Alice Walters, die ihren Lebensunterhalt als Foodaktivistin bestreitet ist zwar auch in der Jury, sei aber aufgrund mangelnder Kenntnis über das seltsam anmutende Berufsfeld und dem dämlichen Schlagwort „passionierte Filmfreundin“ im offiziellen Programm vernachlässigt.


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Eröffnet wurde das Festival mit einer durchaus passenden Weltpremiere: Tom Tykwer präsentierte seine neue Hochglanzproduktion „The International“. Ein deutscher Regisseur, der weltweit seine Karriere ausdehnt, ein Film, der in Berlin beginnt und seinen Hauptdarsteller Clive Owen munter um den Globus jagt, kurzgesagt: eine aufwendige internationale Koproduktion mit attraktivem Staraufgebot. Eine durchaus legitime und verständliche Wahl für den ersten kurzweiligen Abend. „The International“ macht nicht nur namentlich der Weltstadt Berlin alle Ehre, sondern ist darüber hinaus sogar spannend inszeniert. Dass alles dann doch ein wenig wie ein eigens kreierter Berlinale-Bond anmutet und der Film nicht ansatzweise so prophetisch (wie die Vorschusslorbeeren es dem Zuschauer suggerieren wollten) auf die Finanzkrise reagiert, sei dahin gestellt. Nicht alles, worin eine Bank die Fäden der Macht kontrolliert und Begriffe aus der Wirtschaftswelt auftauchen, ist gleich eine Reaktion auf aktuelle Entwicklungen. Aber am ersten Abend darf man noch einmal repräsentatives Popcorn-Kino (im besten Sinne des Wortes) genießen, die gehaltsvollen und schwierigen Filme kommen noch geballt genug. Hoffentlich.

Wir versorgen Euch auf jeden Fall mit Kritiken, Empfehlungen, Warnungen, Neuigkeiten und den ganzen Festival-Gossips. Versprochen!


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