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Bild: Berlinale 2009
  • Fotograf: © Melinda Sue Gordon, SMPSP
  • Text: Cornelis Hähnel
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Berlinale 2009
Von Flittchen, Flügeln und Faschisten

Kate Winslet lässt mal wieder die Hüllen fallen, Annette K. Olesen die Fassaden bröckeln und François Ozon Babies fliegen. Der Wettbewerb hat begonnen und präsentiert sich gleich zu Beginn in all seinen Facetten.
Wirtschaft, Finanzen, Agenten, Tom Tykwer, Clive Owen, Dieter Kosslick. Der testosterongeladene Eröffnungsabend musste nicht nur auf „The International“ Hauptdarstellerin Noami Watts verzichten, sondern sich allgemein mit wenig weiblichen Superstars begnügen (bei aller Liebe für Tilda Swinton, aber den richtigen internationalen Dekolltéfaktor kann und will sie den Fotografen nicht bieten). Aber das war sofort vergessen, als Kate Winslet gestern in Berlin war. Doch, welch ein Hohn: statt im luftigem Kleidchen kam sie im Boyfriend-Jackett zur Pressekonferenz. Zumindest aber in ihrem neuen Film „Der Vorleser“, der außer Konkurrenz läuft, geizt die heißeste Oscar-Anwärterin nicht mit ihren Reizen. Dort spielt sie die Straßenbahnschaffnerin Hanna, die im Deutschland der Fünfziger Jahre mit dem 15-jährigen Michael (momentaner Durchstarter David Kross) eine Affäre beginnt. Nach Jahren treffen sich die beiden vor Gericht wieder, sie auf der Anklagebank, er als Anwalt. Regisseur Stephen Daldry („The Hours“) hat sich dem gleichnamigen Roman von Bernhard Schlink angenommen und routiniert ein Stück deutscher Nachkriegsgeschichte auf die Leinwand gebracht. Natürlich in Hollywood-Manier, doch Daldry versucht der Leidenschaft des Romans treu zu bleiben und so ist Frau Winslet, für eine amerikanische Produktion, verhältnismäßig oft und lange nackig. Der Vorwurf, sie würde durch ihre Nacktheit den Holocaust trivialisieren, ist allerdings dabei ebenso ausgedacht wie „unser Girl in Hollywood“, Diane Kruger, das bei Besuchen in der Heimat nur noch mit Akzent spricht.

Probleme von aktueller Brisanz präsentiert die Dänin Annette K. Olesen, die bereits zum dritten Mal im Wettbewerb der Berlinale vertreten ist. Ihr neuer Film „Lille Soldat“ erzählt die Geschichte der Soldatin Lotte, die nach einem Irak-Einsatz wieder nach Hause kehrt. An der Seite ihres Vaters ist nun Lily, seine junge nigerianische Freundin, die sich ihr Geld als Prostituierte verdient. Lotte beginnt, Lily zu ihren Kunden zu fahren und die beiden Frauen kommen sich näher. Olesen geht auf vielschichtiger Weise der Frage nach, ob man jemanden retten kann, wenn dieser es nicht will. Ein leiser Film über zwei unterschiedliche Frauenschicksale, die in ihren gegensätzlichen Lebensentwürfen Gemeinsamkeiten finden.


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Ganz anders der neue Film „Ricky“ von Kritiker-Liebling François Ozon. Eine ganz normale Familie bekommt ein gesundes Baby, doch nach einiger Zeit entdecken die Eltern seltsame Flecken an seinem Rücken: Dem Baby wachsen Flügel. Ozon hat mit „Ricky“ seine Trilogie über die Trauer („Unter dem Sand“, „Die Zeit, die bleibt“) abgeschlossen, und zwar mit einer fantastischen Komödien-Parabel. Natürlich fragt man sich, ob der Film ohne ein fliegendes Baby nicht emotional intensiver geworden wäre, aber die Thematik des Verlusts des eigenen Kindes auf humorvolle Weise zu erzählen, erzeugt eine ganz eigene Dynamik der Hoffnung. Trauer ohne Tränendrüsen, auch das will gekonnt sein.


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