- Fotograf: © Petro
- Text: Daniel Schieferdecker
-
Berlinale 2009: Blutgräfin, Knochenmann und mehr
Die Berlinale 2009 kann sich bisher definitiv sehen lassen. Während in den letzten Jahren zum selben Zeitpunk bereits der ein oder andere Totalausfall beklagt werden konnte, bleibt das Niveau bisher überraschend hoch, konstant unterhaltsam und abwechslungsreich interessant.
Für Freunde des sentimentalen Frankreichfilms mit charmant-neurotischem Einschlag läuft im Forum beispielsweise „Un Chat Un Chat“ mit der sympathischen Chiara Mastroianni. Darin geht es um die schreib-blockierte Schriftstellerin Célimène, deren Leben sich gerade in einer undefinierbaren Übergangsphase auf eine neue Stufe befindet, deren Erlangen aber erst einmal gemeistert werden will. Helfen tut ihr dabei die hauseigene Stalkerin Anaïs, sodass sich die beiden gegenseitig wieder zurück ins Leben helfen. Vermutlich eher etwas für die holde Weiblichkeit, aber dafür angenehm schräg, mit dezentem Witz und reich an Dialogen über Gefühle & Co.
ANZEIGE
Sehr schön auch die kanadische Gaunerkomödie „High Life“ von Gary Yates, in der vier morphiumsüchtige Kleinkriminelle in den 80ern versuchen, mit dem altbekannten „todsicheren Plan“ eine Bank auszurauben. Wunderbar abgefuckte Figuren wie der grandios agierende, ledergesichtige Bug (Stephen Eric McIntyre) oder der von Timothy Olyphant gespielte Beinahe-Kopf der Bande Dick machen einfach Freude beim Zuschauen. Und solche Sätze wie „Nur weil ich jemanden geschlagen habe und er daran gestorben ist, heißt das noch lange nicht, ich habe ihn umgebracht“, sind einfach ganz großes Kino.
Durchaus annehmbar, wenn auch ein wenig hinter den Erwartungen zurückgeblieben, ist „The Countess“ von Everybody’s Darling Julie Delpy um die „Blutgräfin“ Erzebet Bathory aus dem 16. Jahrhundert. Quasi das genaue Gegenstück zu ihrem letzten Werk „2 Tage in Paris“, das nun ihrer dunklen Seite entsprungen sei, wie sie bei der Premiere erklärte. In der männlichen Hauptrolle agiert Daniel Brühl, der leider als absolute Fehlbesetzung bezeichnet werden muss und in etwa so gut in den Film passt wie ein romantisches Dinner in eine Kläranlage. Aber gut.
Ein Knaller ist jedoch „Der Knochemann“ von Wolfgang Murnberger („Komm, süßer Tod“, „Silentium“), in dem einmal mehr der grandiose Josef Hader als Brenner auf die Menschheit losgelassen wird. Ein absolut großartiger Humor, den die Beteiligten in ihrer selbsternannten Romantik-Thriller-Krimi-Komödie da auf die Leinwand gezaubert haben, und auch beim Publikum Lachanfälle, Zwischenapplaus und tosende Beifallsbekundungen erzeugt hat. Definitiv vormerken!
Du musst eingeloggt sein,
um Kommentare schreiben zu können.
