- Text: Daniel Schieferdecker
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Berlinale 2009: Dorfpunks, Milch und Erziehung
Kaum hatte man gestern noch die durchweg annehmbare Qualität der bisherigen Filmfestspiele gelobt, sind natürlich auch gleich ein paar Kandidaten in den Berlinale Palast geflattert, die eher als mittelmäßig zu werten sind. Da wäre zum einen der Wettbewerbsbeitrag „Cheri“ mit Michelle Pfeiffer und Rupert Friend, und zum anderen die „Dorfpunks“-Adaption vom gleichnamigen Rocko Schamoni-Roman.
In „Cheri“ führt die reife Kurtisanin Lea (Michelle Pfeiffer) im Paris der 20er Jahre den Sohn einer Kollegin (Rupert Friend) in die Kunst der körperlichen Liebe ein. Doch was als reine Affäre begann, wird im Strudel von Leidenschaft, gesellschaftlichen Zwängen und falschem Stolz kurzerhand in den Abgrund gerissen. Leider geht auch der Film als solches daran zugrunde. Das Pfeiffersche Drüsenfieber lässt „Cheri“ leider allzu oft kränkeln. Blutarmut, Herzrhythmusstörungen und der viele ungeschützte Verkehr geben ihm dann den Rest.
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Auch Schamonis „Dorfpunks“-Verfilmung verliert im Vergleich zur Buchvorlage deutlich. Die nahezu ausnahmslose Riege an Nachwuchsdarstellern (abgesehen von Axel Prahl) macht ihre Sache zwar ganz gut, dennoch tun sich im Drehbuch allzu oft erzählerische Lücken auf, die auch von den vielen schönen Dialogen nicht vollends kompensiert werden können.
Wie man ein Skript besser angehen kann, zeigt hingegen Nick Hornby („High Fidelity“), der sich als Drehbuchautor am Film von Lone Scherfig („Italienisch für Anfänger“) beteiligt hat. Darin geht es um die Geschichte einer 16-jährigen, die vom eintönigen Leben in der Vorstadt gelangweilt ist und durch das Treffen eines weltgewandten Mannes in den Dreißigern plötzlich zu leben beginnt. Einfühlsam erzählt, kann „An Education“ daher durchaus überzeugen.
Nicht zu vergessen „Milk“, das für 8 Oscars nominierte Großwerk von Gus Van Sant über Harvey Milk, der in den späten 70ern der erste schwule Stadtverordnete in San Francisco wurde und dann einem Mordanschlag zum Opfer fiel. Zwar wird der Tod zur großen Oper hochstilisiert, ansonsten bleibt die Inszenierung jedoch auf dem Boden der Konventionen. Glücklicherweise ist Van Saints Glaube an das klassische Erzählkino diesmal größer gewesen als die Lust am formalen Experiment – insofern darf man gespannt sein, wie viele Trophäen „Milk“ bei den Oscars letztlich nach Hause bringt.
Allerdings geht es jetzt ja erst einmal um Berlin, um die Wurst und am Ende um die Bären – morgen mehr an dieser Stelle.
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