- Text: Daniel Schieferdecker
-
Berlinale 2009: Selbstmord für Kinder
Doch, die Berlinale ist an sich schon eine feine Sache. Schade ist bloß, dass die verschiedenen spannenden Sektionen neben dem Wettbewerb oftmals ein bisschen unter den Tisch fallen. Zum Beispiel „Generation 14plus“, in denen die Welt aus Sicht von Jugendlichen und Kindern betrachtet wird.
Der diesjährige Gewinnerfilm und Abräumer des gläsernen Bären ist David Lee Millers „My Suicide“. Darin beschließt Archie (Gabriel Sunday) im Rahmen eines Videokurses an der Schule, seinen Selbstmord filmisch festzuhalten. Die schöne Sierra zeigt sich davon so beeindruckt, dass er in ihr plötzlich eine Gleichgesinnte findet, um sich gemeinsam das Leben zu nehmen. Der Film bewegt sich vor allem am Anfang in den Gefilden schnellschnittiger MTV-Ästhetik, bei der Cartoon-Sequenzen eingeflochten werden und teilweise mit verwackelter Handkamera gedreht wurde. Ein wirklich sehenswerter US-Indie, von dem man nur hoffen kann, dass er es überhaupt ins Kino schafft. Wir haben uns mal mit Brooke Nevin getroffen, sind ein paar Filmzitate durchgegangen und haben ihr einige Fragen gestellt.
ANZEIGE
„Selbstmord ist die dauerhafte Lösung eines temporären Problems.“
Wenn du so eines dauerhaft lösen wollen würdest, wie würdest du das anstellen?
Brooke Nevin: Über so etwas denke ich überhaupt nicht nach. Ich suche meine Lösungen immer im Diesseits. Aber dadurch war es für mich umso spannender, mich dieser Rolle anzunehmen. Da musste ich dann vergleichbare Gefühlszustände heranziehen, um die Figur damit auszufüllen. Das war nicht immer ganz einfach.
„Liebe und Tod kommen aus ein und derselben Welt.“
Worin liegt deiner Meinung nach die Faszination in der cineastischen Verschmelzung beider Komponenten?
Brooke Nevin: Das liegt wohl vor allem an dem Glauben an die ewige Liebe. Man weiß schließlich nicht, was einen im Jenseits erwartet. Aber man hofft wohl, durch ein gleichzeitiges Ableben in denselben Lift steigen zu dürfen – in welche Richtung auch immer.
„Bring nicht dich selbst um, sondern das, was du hasst.“
Gibt es etwas, dass du an dir nicht leiden kannst und gerne über den Jordan schicken würdest?
Ich würde zum Beispiel die Angewohnheit loswerden wollen, vor den Augen fremder Leute Selbstgespräche zu führen. Das ist immer wieder peinlich. Oder die Angewohnheit, beim Einkaufen nie einen Korb mitzunehmen, aber mich trotzdem immer mit tausend Sachen zu beladen, was mich schon in unzählige blöde Situationen gebracht hat. Oder den Fakt, dass ich von Wasser mit Kohlensäure ständig rülpsen muss. Ekelig ist das.
„Do you wanna die virgin?“
Warum wird in Filmen der Tod oft an Sex geknüpft?
Das insteressiert eben die Leute. Und jetzt tu nicht so, als ob das bei dir anders wäre (lacht).
Du musst eingeloggt sein,
um Kommentare schreiben zu können.
