- Text: Yessica Yeti
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ACHTUNG! GASTBLOG VON JAN JOSWIG
Blog, Blog, Blog - Blub, Blub Blub. So einfach ist da nicht meine Schätzchen! Jan Joswig blogt schon seit längerem auf SOUNDS LIKE ME und hat sich für sich und für euch über den Sinn und die Notwendigkeit zu bloggen seinen Kopf gemacht. Dann schlaut euch mal rein!
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„BILDET BANDEN“, DENN: „ALLEINE MACHEN SIE DICH EIN“
Den ersten Schritt der kulturellen Selbstermächtigung kennt jeder: Unter der Bettdecke mit der Taschenlampe Tagebuch über die Welt und das Ich (vor allem das Ich) zu führen, ist eine der wichtigsten Initialzündungen (mindestens so wichtig wie der erste Zungenkuss). Damit steckt man in der Pubertät der Auseinandersetzungs-Kultur. In der Adoleszenz hockt man sich bei Kerzenlicht in verräucherte Pizzastuben, wo man vor lauter Diskutieren seinen Sangria vergisst – und fühlt sich wie in einer Kaderschmiede.
„Bildet Banden“ und „Alleine machen sie dich ein“ hat man im Hinterkopf. Die Romantischeren träumen von historischen Vorbildern, von den feurigen Selbststilisierern des George-Kreises, von den skandinavischen Impressionisten, die sich zur Sommerfrische in Skagen versammelten in weißen Anzügen unter weißen Schirmen, vom Schmelzofen aus Dichtern, Malern und Musen auf Montmartre, von den benachbarten Ranches der Hippierocker Grateful Dead und Jefferson Airplane, die sich in den 60ern gegenseitig als Cowboys und Indianer überfielen. Manche träumen auch nur von Tick, Trick & Track und ihrem Fähnchen Fieselschweif. Aber jeder hat diese Idee im Kopf von einer Peergroup, von einer sozialen Keimzelle, die sich gegenseitig in Aktionen und Argumente verstrickt, so dass eins plus eins immer mehr ergibt als zwei.
Die Zelle zählt. Nicht das Ichichich der Generation Me und auch nicht die diffuse Wolke der social communities. In den 70ern, der ersten „Me Decade“ laut „Fegefeuer der Eitelkeiten“-Autor Tom Wolfe, wurden die Bands der 60er vom einzelnen (und vereinzelten) Singer/Songwriter abgelöst. Das führte zu Depression und Heroin. Die 80er setzten die Pop-Band als die Power-Zelle dagegen. Die Blogosphäre steckt immer noch viel zu sehr in den 70ern. Multiblogs stellen eine Antwort auf Vereinzelung und Zerstreuung parat. Ein Multiblog wie Sounds-like-me verkriecht sich nicht unter der Bettdecke – wie so viele Ein-Personen-Blogs –, sondern bündelt, verknüpft und erhitzt die vielfältigsten Me-Stimmen in Erinnerung an die Pizzastuben-Abende. Noch nie galt für so viele Menschen das Credo von Pippi Langstrumpf: „Ich bau’ mir meine Welt, wie sie mir gefällt.“ Das ist spaßig (unter Umständen). Aber wie und ob diese subjektivistischen Weltbauten zusammenpassen und was daraus für ein Über-Gebäude erwächst, das klärt sich erst, wenn man sie gegeneinander abgleicht – wie in der Pizzastube, wie bei einem Multiblog.
Die Unkenrufe sind dauerpräsent, Blogs wären die größten Herausforderer für die Magazin-Welt. Solange Blogs jedoch nur Einzelstimmen nebeneinander stellen, haben sie der Redaktions-Zelle der Magazine nichts entgegenzusetzen. Multiblogs aber haben das Zeug, zu einem Instrument im Netz zu werden, mit dem man das Beste aus Magazin-Redaktion und Ich-Blogosphäre vereinen kann. Wir diskutieren das aus – vergessen aber auf keinen Fall, am Sangria zu nippen.
Jan Joswig
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