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Bild: Franziska Weisz und
  • Text: Daniel Schieferdecker
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Franziska Weisz und


Heute lief der deutsche Beitrag „Der Räuber“ von Benjamin Heisenberg im Wettbewerb, und hat durchaus überzeugt. Darin geht es um die wahre Geschichte eines vorbestraften Marathonläufers, der trotz seiner sportlichen Erfolge noch eine Reihe von Banken überfällt. „Pumpgun-Ronnie“ wurde Johann Rettenberger damals genannt, weil er stets mit einer Ronald Reagan-Maske in die Filialen eingedrungen ist. Rettenberger, gespielt von Andreas Lust, ist ein Getriebener, ein Einzelgänger wie er im Buche steht. Jemand, der immer in Bewegung sein muss, um sich stets seiner Lebendigkeit zu versichern. Er läuft seiner eigenen Todessehnsucht entgegen, und daran kann auch die Frau in seinem Leben nichts ändern. Diese, gespielt von Franziska Weisz, ist genauso allein, sucht jedoch verzweifelt jemanden, bei dem sie sich anlehnen kann. Jemanden, der ihr Sicherheit geben kann. Doch da ist Johann wohl der Allerletzte.

Wir haben uns mit Franziska Weisz (Berlinale Shooting Star 2005) kurz vor der Premiere getroffen, um über Erwartungen, Entscheidungen und Einsamkeit zu sprechen.


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Das Feedback zum Film war bisher sehr positiv. Da macht es doch sicherlich besonders viel Spaß, über „Der Räuber“ zu sprechen, oder?
Franziska: Ich habe natürlich einen sehr eigenen Blick auf den Film, weil ich eben stark involviert war, aber anhand der Fragen, die gestellt werden, lerne ich auch noch mal irrsinnig viel darüber. Ein Außenstehender hat schließlich eine ganz andere Sicht, und das finde ich total spannend. Ich höre auch immer gebannt zu, wenn Benjamin oder Andi antworten, damit ich bei meinen Interviews auch mal ein paar gescheite Sachen sagen kann.

In „Der Räuber“ geht es viel um Entscheidungen. Bist du selbst jemand, der offensiv Entscheidungen trifft oder drückst du dich auch gerne mal davor?
Franziska: Ich treffe meine Entscheidungen immer sehr bewusst – oft auch aus dem Bauch heraus. Und das ist jedes Mal wieder eine neue Herausforderung. Allerdings hatte ich auf viele einschneidende Erlebnisse in meinem Leben gar keinen Einfluss. Mein erster Film „Hundstage“ ist mir beispielsweise seinerzeit in den Schoß gefallen. Eine relativ kleine Entscheidung, die für mich jedoch sehr wichtig war, war die, mich nach meinem abgeschlossenen Studium eine Schauspielerin zu nennen – schließlich habe ich das nie offiziell gelernt. Aber anzuerkennen, dass die Schauspielerei fortan mein Weg ist, das war eine sehr wichtige Entscheidung für mich.

Der Regisseur Benjamin Heisenberg hat über die Rolle des Räubers gesagt, dass dessen permanente Anspannung ein Teil seines Glücksmomentes sei. Kannst du das nachempfinden?
Franziska: Nein, eigentlich nicht. Hirschhausen hat mal geschrieben, dass Glücksgefühle aus der Überraschung kommen. Wenn man also zu ersten Mal Schokolade isst oder einen tollen Film sieht, dann treten Glücksgefühle ein. Ein zweites Mal gelingt das jedoch nicht. Weil mein Leben aber total bunt ist und kein Tag wie der vorherige ist, habe ich eigentlich ständig Glücksgefühle.

Kannst du dir ansatzweise vorstellen, wie so ein Glücksmoment aussähe, wenn ihr mit dem Film den goldenen Bären gewinnt?
Franziska: Die Tatsache, bei der Berlinale im Wettbewerb laufen zu dürfen, macht uns schon glücklich genug. Wir haben daher untereinander abgemacht, weder über das goldene B-Wort noch über haarige Tiere zu sprechen. Auch wenn es ein bisschen blöd klingt, aber ums Gewinnen geht es uns nicht. Es freut mich hingegen wahnsinnig, wie gut der Film bereits aufgenommen wird und wie viele Schulterklopfer ich bekomme. Damit bin ich bereits vollkommen zufrieden.

Bei „Der Räuber“ handelt es sich um eine Kriminalgeschichte. Ist es gleichzeitig auch ein Liebesfilm?
Franziska: Auf jeden Fall! Das ist ein Film, der aufzeigt, welche immense Kraft die Liebe hat, gleichzeitig aber auch, wo ihre Grenzen liegen.

Glaubst du an die wahre Liebe?
Franziska: Ich glaube auf daran, dass es möglich ist, sich voll und ganz auf jemanden einzulassen, wenn man sich selbst nicht verstellt oder bloß Bilder von sich projiziert. Wenn einem das gelingt, dann kann man auch wahre Liebe erfahren. Wenn man daran bereits nicht mehr glaubt, dann verliert das Leben seine Bedeutung.

Auf eine Frage in der Pressekonferenz hat der Räuber-Darsteller Andreas Lust gesagt, dass er das Gefühl habe, diese Welt würde immer mehr aus einsamen jungen Männern bestehen. Teilst du diesen Eindruck?
Franziska: Nicht nur aus einsamen jungen Männern, sondern aus einsamen jungen Menschen. Die Jugendlichen von heute haben eben keinen Widerstand mehr, müssen gegen nichts mehr gemeinsam rebellieren und dadurch wird das Leben immer einzelgängerischer. Seit alle Leute Handys haben, muss man niemandem mehr verbindlich zusagen. Das Internet verbindet einen ständig mit allen Menschen auf der Welt. Aber dieser Luxus von heute nimmt einem auch sehr viel. Das Mehr an Kommunikationsmöglichkeiten sorgt für ein Mehr an Oberflächlichkeit und ein Weniger an sozialer Qualität. Und wenn man sich in einem Supermarkt mal die Masse an Singlemenüs anschaut, dann ist das bereits wahnsinnig bezeichnend.

Text: Daniel Schieferdecker


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