- Text: Daniel Schieferdecker
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Shootingstar Lotte Verbeek
In jedem Jahr werden auf der Berlinale zehn europäische Shooting Stars präsentiert, in der Vergangenheit gehörten bereits so illustre Namen wie Carey Mulligan (derzeit für einen Oscar in „An Education“ nominiert), David Kross, oder auch Moritz Bleibtreu und Jürgen Vogel, die beide mit ihren aktuellen Filem „Jud süß“ bzw. „Boxhagener Platz“ auf dem Festival zu sehen sind.
Wir haben uns mit einem der diesjährigen Shooting Stars, der Holländerin Lotte Verbeek, über ihre Rolle in „Nothing Personal“, die Bedeutung der Auszeichnung und Einsamkeit als kreativer Energie unterhalten.
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Wie hast du davon erfahren, auf der diesjährigen Berlinale als Shooting Star ausgezeichnet zu werden?
Lotte: Ich saß für einen Dreh in Turin gerade in der Maske, als mich mein Agent anrief und mir die frohe Kunde brachte. Daraufhin bin ich aufgesprungen und habe vor Freude geschrien. Die Maskenbildnerin hat sich fast genauso gefreut wie ich, die war total süß. Mir geht es dabei jedoch gar nicht so sehr um die Möglichkeit, all diese wichtigen Menschen zu treffen, sondern viel mehr um die Atmosphäre auf der Berlinale. Alles ist so wunderbar international. Trotzdem gibt es natürlich auch viele Meet-And-Greets und eine Art Speed-Date-Frühstück mit Casting-Direktoren.
Einsamkeit ist ein wichtiges Thema in „Nothing Personal“. Urszula Antoniak, die Regisseurin des Films, hat erzählt, dass sie aus der Einsamkeit viel kreative Energie schöpfen kann. Wie ist das bei dir? Als Schauspielerin bist du schließlich ständig von Menschen umgeben.
Lotte: Als Schauspielerin möchte ich natürlich eine Verbindung zu den Menschen aufbauen, dafür ist Einsamkeit nur wenig förderlich. Wenn man aber in die Tiefe gehen und einen persönlichen Zugang zu seiner Figur finden will, dann muss man sich auch mal zurückziehen können – und sei es nur für einen Augenblick in sich selbst.
Vor Drehbeginn wurdest du dazu genötigt, drei Wochen lang ohne Musik, Telefon und Internetzugang auszukommen, um dich in deine Rolle hineinversetzen zu können. Wie war diese Erfahrung für dich?
Lotte: Einsam (lacht). Wobei man sagen muss, dass Einsamkeit heute sehr negativ konnotiert ist, und gerade der Film durchaus deutlich macht, dass dem Alleinsein auch eine große Freiheit innewohnt. Es gibt keine Zwänge, keine Verpflichtungen, man hat mehr Raum für sich selbst. Allerdings habe ich in den drei Wochen auch gemerkt, was ich an meinen Freunden habe und wie sehr sie mir fehlen.
Am Anfang des Films wirkt dein Charakter nicht sonderlich sympathisch. Dennoch ist es dir gelungen, diese Antipathie in einem Rahmen zu halten, der sich im Laufe des Films zum Positiven verschiebt. Wie schwierig war es für dich, diese Entwicklung schauspielerisch umzusetzen?
Lotte: Das war tatsächlich nicht ganz einfach, aber es gibt eben solche Menschen wie mein Charakter im Film. Diese Idee, dass es nur gute und schlechte Menschen gibt, ist eine Hollywood-Lüge. Deshalb fand ich es ungemein wichtig und spannend, eine Rolle zu übernehmen, die so viel Menschlichkeit in sich trägt. Für mich als Schauspielerin war das sehr befriedigend.
Wie sieht es denn mit dem holländischen Kino aus? Passiert da viel?
Lotte: Nein, nicht wirklich. Die Niederlande sind nicht nur sehr klein, sondern auch sprachlich in einer absoluten Minderheit. Man könnte die Filme in anderen europäischen Ländern also kaum zeigen, außer mit Untertiteln oder Synchronisation. Und von letzterem halte ich als Schauspielerin natürlich rein gar nichts, weil es einfach sehr viel von der schauspielerischen Darstellung nimmt.
Wie war es für dich als Jungschauspielerin mit so einem gestanden Darsteller wie Stephen Rea zu arbeiten?
Lotte: Das war natürlich großartig, weil er natürlich mehr als 40 Jahre Erfahrung mitbringt. Das ist einfach beeindruckend. Es ist aber nicht so, dass er mir ständig Tipps oder Ratschläge gegeben hätte, wir haben einfach viel gequatscht, übers Leben gesprochen und allein dadurch habe ich schon total viel aufnehmen können. Er strahlt eine ganz selbstverständliche Sicherheit aus in allem, was er tut. Und das ist eine Sache, für die ich sicherlich noch einige Jahre brauchen werde.
Interview: Daniel Schieferdecker
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