- Text: Cornelis Hähnel
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'Jud Süß Film ohne Gewissen' und 'Rompecabezas - Puzzle'
Die Familie ist eines der großen Überthemen der diesjährigen Berlinale. In vielen Filmen dreht sich alles um Freude und Leid mit der eigenen Mischpoke. Und so wie „nett“ die kleine Schwester von „scheiße“ ist, ist das Gegenteil von „gut“ noch immer „gut gemeint“. (In Familienstrukturen gesprochen also die Vorzeigetochter und ihr abgetriebener Zwilling. Oder so ähnlich.)
Mit lediglich gut gemeinten Intentionen ging auch Oskar Röhler mit seinem neuen Film „Jud Süß – Film ohne Gewissen“ in den Wettbewerb und präsentierte damit den ersten wirklichen Komplettausfall des Festivals. Röhler versucht, das Schicksal des Protagonisten aus „Jud Süß“, dem fiesesten Propaganda-Hetzfilm der Nationalsozialisten, Ferdinand Marian, genauer zu betrachten. Doch anstatt ein Melodram über Marian zu inszenieren, der sich lange gegen diese Rolle gewehrt hat, verliert sich Röhler in historischen Ungenauigkeiten, platten satirischen Einspritzern und fragwürdigen Szenen. Moritz Bleibtreu ist als Goebbels eindeutig fehlbesetzt, wie fremdgesteuert schmiert er sich mit auswendig gelerntem Akzent durch die Szenen. Ausgerechnet Tobias Moretti als Marian ist mit seinem (für die Verhältnisse des Films) tiefgehenden Spiel der einzige Lichtblick. „Jud Süß – Film ohne Gewissen“ verweigert sich dem Fingerspitzengefühl, das bei der Thematik angebracht wäre und planiert sich in einer Grobschlächtigkeit sondergleichen rücksichtslos seinen Weg. Dafür gab’s Szenen-Empörung und überzeugte Buh-Rufe in der Pressevorstellung.
Versöhnt wurde man dann aber mit dem überraschend guten argentinischen Beitrag „Rompecabezas – Puzzle“ von Natalia Smirnoff. Dabei klingt die Geschichte dieses Debütfilms eher, sagen wir, gewöhnungsbedürftig. An ihrem 50. Geburtstag bekommt Maria von ihrer Familie ein Puzzle geschenkt. Schnell entdeckt sie nicht nur ihre Leidenschaft, sondern auch ihr Talent, bedruckte Pappteile flink zusammenzufügen. Ein 1000 Teile Puzzle an einem Tag, da schlummern unentdeckte Potentiale in der Frau. Und so meldet sie sich auf eine Anzeige von Roberto, der ein Partner für den Puzzle World Cup sucht.
Herrlich unaufgeregt und beinahe zärtlich erzählt der Film von einer Frau, der sich neue Möglichkeiten eröffnen und die aber dabei nie die Realität und ihre Verantwortung aus den Augen verliert. Unter den langsam komponierten Szenen liegt nicht nur immer ein leiser Humor, sondern auch eine wunderbare Filmmusik, die in ihrer latenten Dissonanz die emotionale Atmosphäre zusätzlich verdichtet. Und es sind eben diese Feinheiten, die „Rompecabezas – Puzzle“ nicht zu einem dieser austauschbaren Selbstverwirklichungs-Filmen verkommen lässt, sondern einfach in kleinen Schritten bereits großen Mut verortet.
Und in seinem Understatement ein wunderbarer und erleichternder Kontrast zum brachialen „Jud Süß – Film ohne Gewissen“. So, lieber Herr Röhler, kann man eben auch Geschichten erzählen.
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Magnet Club - Live: Who Knew, The Dope
07.08.2010
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