- Text: Cornelis Hähnel
-
Von fiesen Schlägern, mutigen Rentnern und schlechten Läufern
Gegen Ende des Festivals drehte der Wettbewerb noch mal so richtig auf, bzw. durch: Der Beitrag von Michael Winterbottom war mitunter nichts für Zartbesaitete und veranlasste mit einigen Szenen das Publikum dazu, den Saal verlassen.
„The Killer inside me“ basiert auf dem Roman von Kultautor Jim Thompson, der u.a. auch als Drehbuchautor für Stanley Kubrick gearbeitet hat. Bereits 1976 verfilmte Burt Kennedy das Buch mit Stacy Keach in der Hauptrolle, nun versuchte sich Winterbottom an dem Klassiker der „Pulp“-Literatur. Mit einem unheimlichen Gespür fürs Genre inszeniert Winterbottom seinen Neo-Noir-Film, in welchem Casey Affleck als psychopathischer Biedermann brilliert.
Der scheinbar harmlose Polizist entpuppt sich nämlich als hartgesottener Killer. Und als er Jessica Alba minutenlang das Gesicht zu Brei schlägt, klappen im Kinosaal, wie bereits erwähnt, die Türen. Doch wie immer bei Winterbottom ist das keine kalkulierte Provokation, sondern steht im Dienst der künstlerischen Erzählweise. Und somit beweist der britische Regisseur erneut, noch immer einer der spannendsten zu sein.
ANZEIGE
Ebenso aufregend ist das Regie-Duo Benoit Delépine Gustave de Kervern, die mit „Mammuth“, dem einzigen französischen Film im Wettbewerb, ihre fruchtbare Zusammenarbeit unter Beweis stellten. Die beiden (die im letzten Jahr mit der anarchischen Komödie „Louise hires a contract killer“ begeisterten) inszenieren darin einen wahnsinnig beleibten Gérard Depardieu im Kampf um seine Rente. „Mammuth“ überzeugt dabei mit obskurem Humor und knallharter Realitätskritik.
Ein ebenso inspirierendes Gespann sind sich Dietrich und Anna Brüggemann. Zusammen haben sie das Drehbuch zu Dietrich Brüggemanns Debüt „Renn, wenn Du kannst“ geschrieben, der die diesjährige Perspektive Deutsches Kino eröffnet hat. Die Tragikomödie erzählt vom Rollstuhlfahrer Ben (Robert Gwisdek) seinem Zivi Christian (Jacob Matschenz) und der jungen Cellistin Annika (Anna Brüggemann), die irgendwie zwischen den beiden Jungs steht. Mit klugem Wortwitz, viel Situationskomik und einer großen Portion emotionaler Feinfühligkeit ist der Film eines der Highlights in punkto deutscher Produktionen auf der diesjährigen Berlinale gewesen. Die Qualität des Nachwuchses scheint defintiv gesichert.
Du musst eingeloggt sein,
um Kommentare schreiben zu können.
