- Text: Daniel Schieferdecker
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Berlinale-Eröffnung
„Rache ist süß“ lautet ein altbekanntes Sprichwort. Mit dem diesjährigen Eröffnungsfilm der Berlinale bekommt dieser Sinnspruch endlich ein Gesicht. Es gehört der erst 14-jährigen Hailee Steinfeld aus „True Grit“.
Die 61. Berlinale wurde wahrlich mit einem Paukenschlag eröffnet. Mit einem Film der Coen-Brüder, ihres Zeichens wahre Ikonen des amerikanischen Independent-Kinos, mit einem Hang zu schrägem Humor und eruptiver Gewalt. Mit einem Film, der gleich in zehn Kategorien für einen Oscar nominiert und seit Wochen an der Spitze der US-Kino-Charts zu finden ist. Mit einem Film, der das nötige Star-Aufgebot besitzt und dem roten Teppich am Berlinale Palast den nötigen Hollywood-Glamour verliehen hat. „True Grit“ heißt dieser Film, Adaption eines Südstaaten-Romans von Charles Portis und Neuinterpretation eines alten John-Wayne-Klassikers von 1969. In den Hauptrollen Matt Damon, Josh Brolin und Schauspiellegende Jeff Bridges. Doch der Star des Films ist ein anderer. Oder besser gesagt: Eine andere. Denn die 14-jährige Hailee Steinfeld nimmt den drei Vollblutmimen mal eben im Vorbeigehen die Butter vom Brot. Mit einem unglaublichen Charisma zieht sie sämtliche Blicke auf sich, agiert mit einer faszinierenden Unschuld, die sich in ihrer Perfektion eigentlich selbst widerspricht. In ihrem virtuosen Spiel kreiert sie eine abstruse Mischung aus beeindruckender Hartnäckig- und beängstigender Zerbrechlichkeit, mit der sie die Menschen vollkommen in ihren Bann zieht. Und zwar nicht nur auf der Kinoleinwand.
In der Neuauflage des Westernklassikers spielt sie die sturköpfige Mattie Ross, die sich auf die Suche nach dem Mörder ihres Vaters begibt. Da ihr die Behörden nicht dabei helfen wollen, heuert sie den knurrigen Marshall „Rooster“ Cogburn (Jeff Bridges) an, der zusammen mit ihr und dem Texas-Ranger LaBoeuf (Matt Damon) die Fährte des flüchtigen Mörders (Josh Brolin) aufnimmt. Die beiden Coen-Brüder Joel und Ethan haben dabei das Kunststück fertig gebracht, auf der einen Seite der amerikanischen Western-Tradition treu zu bleiben, gleichzeitig aber auch sich selbst. Und das beschränkt sich glücklicherweise nicht bloß auf das Einflechten von Momenten extremer Gewalt und bissigem Humor, sondern auch in ihrem sicheren Blick fürs Detail und der mitreißenden Rhythmisierung der Handlung. Hinzu kommt die beeindruckende Arbeit von Kameramann Roger Deakins, der wahrlich epische, teilweise unvergessliche Bilder erzeugt, und damit die Coen-Film-typische Tiefe erzeugt.
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Entsprechend frenetisch wurde der Film von den geladenen Ehrengästen bei der Eröffnungsgala aufgenommen. Als mit dem Abspann auch der Applaus einsetzte, hätte man fast meinen können, eine Horde Wildpferde würde in den Berlinale Palast einreiten. Wer jetzt jedoch ein bisschen neidisch auf die anwesende A- und B-Prominenz ist, der sei getröstet: Bereits in zwei Wochen kann sich jeder selbst von der Qualität des Westerns überzeugen, denn dann startet „True Grit“ regulär in den deutschen Kinos. Dann zieht die entzückende Hailee Steinfeld erneut andere Seiten auf. Denn wie besagt doch ein anderes altes Sprichwort: Süße Rache ist von keiner Seite zu verachten.
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