- Fotograf: © Fog'n' Desirre Films 2011
- Text: Cornelis Hähnel
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BerLINALE, TAG 9
Mit „The Forgiveness of Blood“, einem eindringlichen Drama über einen jungen Albaner der in eine Blutrache verstrickt wird, fand der Wettbewerb der diesjährigen Berlinale am Freitagmorgen einen überraschend guten Abschluss. Und somit hatte man auch mal etwas mehr Zeit, sich in den anderen Sektionen umzuschauen.
Im Forum war mit „Dom – The House“ von der Regisseurin Zuzana Liová ein fesselndes Regiedebüt aus der Tschechischen Republik zu bewundern. Liová erzählt die Geschichte der Teenagerin Eva, die kurz vor ihrem Schulabschluss steht. Eva hat vor allem einen Traum: Sie will weg aus dem Dorf, in dem sie mit ihren Eltern wohnt und als Au Pair Mädchen nach London gehen. Doch ihr Vater hat ganz andere Pläne: Er baut auf seinem Grundstück ein zweites Haus, eigens für seine geliebte Tochter. Doch als Eva eine Affäre mit ihrem Englischlehrer beginnt, droht die Situation zu eskalieren. „Dom“ ist ein unaufgeregter, aber dichter Film, der im Mikrokosmos Familie nicht nur einen Generationenkonflikt beschreibt sondern auch eine Reflektion des gesellschaftlichen Wandels in Osteuropa darstellt.
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Ebenfalls mit politischem Subtext, doch nicht so ganz so zugänglich präsentierte sich „Amnistia“ aus Albanien. Regisseur Bujar Alimani verknüpft darin die Lebensgeschichten eines Mannes und einer Frau, deren jeweilige Ehepartner im Gefängnis sitzen. Aufgrund einer Liberalisierung im Haftsystem dürfen sich nun Ehepartner einmal im Monat zum Sex treffen. Bei diesen Besuchen im Gefängnis lernen sich der Mann und die Frau kennen und beginnen eine Affäre, die schwerwiegende Folgen hat. „Amnistia“ ist ein sperriger Film, direkt und reduziert lässt er seine Protagonisten durch ein trostloses Albanien taumeln, auf der Suche nach etwas Glück. Und doch fällt es einem als Zuschauer schwer, zu den Figuren eine emotionale Bindung aufzubauen, ist die Inszenierung viel zu distanziert geraten.
Ein anderen Blick auf Albanien – wenn auch nicht sonderlich positiver – hat die deutsch-albanische Koproduktion „Der Albaner“ von Johannes Naber. Naber erzählt die Geschichte von Arben, der seine schwangere Freundin heiraten will bzw. muss und nach Deutschland geht, um hier genügend Geld für das junge Paar zu verdienen. Doch Arben ist illegal in Deutschland und nach einigen schlecht bezahlten Aushilfsjobs bekommt einer ein lukratives Angebot bei einer Schlepperbande. Arben muss für den eigenen Traum seine Moral hinterfragen. Der Gewinner des diesjährigen Max Ophüls Preis, der traditionell als Abschlussfilm der Sektion Perspektive Deutsches Kino läuft, ist ein klar erzähltes und handwerklich gut gemachtes Drama über den Abstieg eines jungen Mannes, der eigentlich alles richtig machen wollte.
Irgendwas falsch macht auch Susanna: mit 35 Jahren ist sie bereits zum sechsten Mal Witwe. Die schöne Femme Fatal ist auf der Suche nach der großen Liebe, doch all ihre Ehemänner hatten einen Fehler und so hat sie sie kurzerhand umgebracht. „7 Khoon Maaf – 7 Sins Forgiven“ (Panorama Spezial), sollte eine schwarze Dramödie aus Indien werden, doch leider ist der Film, trotz einer eigentlich normalen Bollywoodlänge von 147 Minuten, etwas zu langatmig geworden. Die obligatorischen Tanzszenen sind viel stärker als gewohnt in das Geschehen eingebunden und wirken trotzdem fehl am Platz. Überhaupt fehlen dem Film die Bissigkeit und der trockene Humor, um wirklich zu unterhalten. So ist man zwar dankbar ist, mal eine Bollywood-Variation zu sehen, aber letztlich überzeugend ist sie nicht.
So, genug in den anderen Sektionen rumgetrieben, gleich geht die Preisverleihung los und wir sind gespannt, wer das Rennen um den Goldenen Bären macht. Es ist so aufregend.
Morgen erfahrt Ihr hier dann alles über die Gewinner der Berlinale 2011.
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