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Bild: BERLINALE, TAG 10
  • Fotograf: Jodaeiye Nader az Simin
  • Text: Cornelis Hähnel
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BERLINALE, TAG 10
Die Gewinner


Der iranische Wettbewerbsbeitrag „Jodaeiye Nader az Simin“ (Nader und Simin, Eine Trennung) von Asghar Farhadi galt als eindeutiger Kritikerfavorit der diesjährigen Berlinale und so überraschte es nicht, dass er mit dem Goldenen Bären als Bester Film ausgezeichnet wurde. Zumal die Jury mit einem leeren Platz für den iranischen Regisseur und Jurykollegen Jafar Panahi (der in seinem Heimatland wegen eines kritischen Films zu sechs Jahren Gefängnis und 20 Jahren Berufsverbot verurteilt wurde) bereits ein klares Zeichen gegen die Repression des Regimes gesetzt hatte. Dass dann aber sowohl das männliche als auch das weibliche Darsteller-Ensemble mit einem Silbernen Bären dekoriert wurde, war doch etwas überraschend. Es war eine Prämierung von großer Symbolkraft, nicht nur den Regisseur, sondern auch die Schauspieler für ihren Mut auszuzeichnen, trotz Angst vor Zensur und Strafe in dem ihnen möglichen Rahmen für die Freiheit der Kunst und somit für die Freiheit der Iraner einzutreten. Eine politische Entscheidung, die sich natürlich wieder der Kritik ausgesetzt sieht, ob drei Preise als Symbol nicht zu viel seien. Nein, denn hier wurde der symbolische Wert nicht vor den künstlerischen Gehalt des Filmes gesetzt, und somit ist der Preisregen völlig gerechtfertigt. Und irgendjemand hat ja immer etwas zu mäkeln.

Den Großen Preis der Jury ging an „A torinói ló“ (The Turin Horse) von Béla Tarr, eine zweieinhalbstündige, verschwiegene Meditation in Schwarzweiß über ein sterbendes Pferd. Tarr zeigt mit seiner Inszenierung das Kino als Ort einer – lang nicht mehr so intensiv erfahrenen – konsequenten Radikalität. Ein Film, der nur für das Kino gemacht wurde.


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Ebenfalls einen eigenwilligen Erzählstil prägt auch Ulrich Köhlers „Schlafkrankheit“, der damit für die Beste Regie ausgezeichnet wurde. Der Film erzählt die Geschichte eines Arztes, der mit seiner Familie in Afrika lebt und nicht nach Europa zurückkehren mag. Köhler wechselt in der Mitte des Filmes die Hauptfigur und lässt den Arzt erst wieder nach langer Zeit als Nebenfigur auftauchen. Bei den Kritikern wurde der Film gespalten aufgenommen, einige Buhrufe und gelangweilte Rezensionen waren die ersten Reaktionen auf die Premiere. Somit war dieser Preis einer der überraschendsten, aber zugleich erfreulichsten.

Etwas seltsam mutet die Auszeichnung für Andres Veiels „Wer wenn nicht wir“ an: Er bekam den Alfred Bauer Preis, der in Erinnerung an den Gründer der Berlinale für einen Film verliehen wird, der neue Perspektiven der Filmkunst eröffnet. Die Geschichte um die Liebe zwischen Autor und Verleger Bernward Vesper und der Studentin Gudrun Ensslin erzählt die Zeit vor Ensslins Radikalisierung und ihrem Wirken in der RAF. Mit großartigen Darstellern besetzt durchleuchtet Veiel die Vorgeschichte des Deutschen Herbstes, klug, emotional und packend. Aber bei aller Liebe: neue Perspektiven öffnet dieser Film mit seinem gelungenen, doch letztlich konventionellen Erzählrhythmus nicht.

Den Spezialpreis für besondere künstlerische Leistung ging in gleichen Teilen an Wojciech Staron für die Kamera sowie an Barbara Enriquez für das Production Design in
„El premio“ von Paula Markovitch. Der Silberne Bär für das Beste Drehbuch ging an Joshua Marston und Andamion Murataj für das Drama „The Forgiveness Of Blood“.

Also alles im allem doch eine breit gefächerte Preisverteilung, keine Mitleidspreise, sondern glücklicherweise Auszeichnungen, die sowohl symbolisch, als auch künstlerisch funktionieren. Und auch wenn man nach den zehn Tagen krank im Bett liegt: Schön war es doch. Und wir freuen uns schon aufs nächste Jahr.


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