- Text: Elmar Bassen
- Verlag: Rowohlt
-
Oswald Metzger
Die verlogene Gesellschaft
Oswald Metzger hat ganz schön was auf dem Kasten. Und was noch ungewöhnlicher für einen deutschen Politiker ist: Er macht Politik aus Leidenschaft, für die Sache und nicht für die Partei oder für Posten. Deutlichstes Beispiel dafür ist der Verzicht auf die Mitnahme seines Mandats, als er vor zwei Jahren auf Grund eines Grundsatzstreits über das bedingungslose Grundeinkommen von den Grünen zur CDU wechselte: schließlich hätten ihn die Wähler ja als Mitglied der Partei der Grünen gewählt. Somit verzichtete er immerhin auf insgesamt 230.000 Euro an Diäten und auf zusätzliche Pensionsansprüche.
Womit wir auch schon bei einer der Kernaussagen seines Buches wären: Zu viele Politiker in Deutschland haben bei Ihren Entscheidungen und öffentlichen Auftritten und Aussagen eben nur das im Sinn: Wie bleibe ich dran am Füllhorn öffentlicher Gelder, an den Posten und Mandaten, wie sorge ich dafür, dass ich wieder gewählt werde und in der Partei Karriere mache? Der Weg dahin führt meist über Wahlversprechen und die Besetzung von Positionen in öffentlichen Debatten, die dem eigentlichen Auftrag der Politiker – die Interessen des Volkes nach bestem Wissen und Gewissen zu vertreten – konträr entgegen stehen. Denn auch Politiker wissen sehr wohl, dass unsere Renten- und anderen sozialen Sicherungssysteme voll an die Wand gefahren sind und dringendst umgestaltet werden müssen. Doch spätestens regelmäßig in Wahlkampfjahren werden dem Volk die billigsten Versprechen zu Steuersenkungen, steigenden Sozialleistungen und anderen Vergütungen gemacht, die nur dazu führen, dass kommende Generationen vollkommen absurde Schuldendienste werden leisten müssen und der Anteil von Einzahlern und Beziehern in die bzw. aus den sozialen Systemen sich immer weiter zugunsten der Bezieher verschiebt. Und WIR glauben den Politikern das und wählen sie, so Metzger.
Doch hier irrt sich der Autor – zumindest im Rezensenten. Und auch der Großteil derjenigen, die sich in Ihrer Freizeit solcherlei Lektüre gönnen, dürfte sich durch ein ziemlich hohes politisches „Involvement“ auszeichnen und demzufolge kaum auf derart hohle Versprechen reinfallen. Stattdessen sollte das Buch zur Pflichtlektüre für Politikeinsteiger erkoren werden. Denn die Einblicke, die Metzger in den verlogenen und prostituierten Politikapparat gewährt, sind sowohl schockierend als auch erhellend und in jedem Fall lesenswert.
ANZEIGE
Du musst eingeloggt sein,
um Kommentare schreiben zu können.
