- Text: Timo Richard
- Verlag: (Eichborn Verlag)
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Joachim Gaertner
Ich bin voller Hass – und das liebe ich
Mit seinem dokumentarischen Roman „Ich bin voller Hass – und das liebe ich“ legt Joachim Gaertner dem Leser mehr als schwere Kost in die Hände. Aus 25.000 Seiten Ermittlungsakten zum Amoklauf an der Columbine High School montiert der Autor ein sowohl in seiner Drastik wie in seiner erschreckenden Offensichtlichkeit verstörendes Gesamtportrait eines der folgenreichsten Verbrechen der letzten Jahrzehnte. Erschreckend einerseits, wie dicht Gaertner den Leser über die reine Wiedergabe von Mails, Blogeinträgen und Tagebuchseiten der beiden Amokläufer Eric Harris und Dylan Klebold an die Protagonisten dieses Verbrechens heranführt. Erschreckend andererseits, wie lasch das Umfeld der beiden Jugendlichen auf ihre öffentlich in Schulaufsätzen und Internetvideos zur Schau gestellte Gewaltbereitschaft reagiert. Erschreckend zuletzt, wie Verhörprotokolle und Zeugenaussagen das Leid der Opfer und Betroffenen darstellt. Keine schnöde Talkshow, keine endlose Diskussion über böse Computerspiele, keine ätzende Kulturkritik kann den persönlichen und gesellschaftlichen Knoten derart wiedergeben. Allerdings lässt Gaertner seinen Leser auch allein, wagt im Gegensatz zur Polit- und Medienprominenz keine Analyse, aber genau das hat nach der Lektüre dieses Buches auch niemand mehr nötig.
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