- Text: Elmar Bassen
- Verlag: Zweitausendeins
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Friedrich Glauser
Studer ermittelt
Siebzig Jahre nach dem Tod Friedrich Glausers hat Zweitausendeins alle Fälle des Berner Kommissars Studer in einem Band veröffentlicht. Glauser war in vielerlei Hinsicht wesentlich bedeutender, als es sein Bekanntheitsgrad – sowohl zu Lebzeiten als auch nach seinem Tod – vermuten lässt: Er war einer der Mitbegründer des Dadaismus und einer der ersten deutschsprachigen Kriminalautoren überhaupt. Mit Sicherheit gehören seine Romane noch heute zu den besten, die je geschrieben wurden und Glausers literaturhistorischer Rang ist mit denen von Simenon, Dürrenmatt und Chandler vergleichbar.
Glauser wird 1896 in Wien geboren und erweist sich schon in der Schule als kaum gesellschaftsfähig. Seinem Rausschmiss vom Gymnasium kommt er durch einen freiwilligen Abgang noch zuvor und holt seine Matura in der Schweiz nach, sein anschließendes Chemiestudium bricht er schon bald ab. Immerhin scheint er sich hier Grundkenntnisse im Drogistentum angeeignet zu haben, denn sein kurzes Leben ist von Drogenexzessen gekennzeichnet. Sein Vater stellt ihn unter Vormundschaft, Glauser nimmt die verschiedensten Gelegenheitsjobs an und gerät immer wieder mit der Justiz in Konflikt. Im Alter von 22 Jahren wird er wegen Morphiumkonsums und Rezeptfälschung erstmals in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen, mit 25 schreibt er sich in die Fremdenlegion ein. Die Eindrücke aus seiner zweijährigen Leidenszeit in Afrika verarbeitet er später in seinem Roman „Gourrama“. Zurück in Europa arbeitet Glauser als Portier in Paris, als Pfleger in einer Klinik in Belgien, als Gärtner in der Schweiz – stets in der kulturellen Bohéme unterwegs und getrieben von seiner Drogensucht. Immer wieder wird er in Kliniken eingewiesen und in einer Anstalt in der Schweiz entwickelt er schließlich die Figur des „Kommisär Studer“, eines Ermittlers, der Mitleid für die Gescheiterten hat. In der differenzierten psychologischen Zeichnung seiner Figuren und dem Verschwimmen von Begriffen wie Schuld, Täter und Opfer ähnelt seine Schreibe der des großen Raymond Chandler, wobei der alte Studer in seiner gutmütigen Gebrechlichkeit an den Maigret von Georges Simenon erinnert. Der Legende zufolge schreibt Glauser alle fünf Studer-Romane in seinen letzten drei Lebensjahren, größtenteils in Anstalten. Einen Tag vor der geplanten Hochzeit mit einer Pflegerin stirbt Glauser 1938 in Italien. Glauser schreibt in einem Brief an einen Freund kurz vor seinem Tod über sein Leben: „C'est ne pas tres beau.“
Text: Elmar Bassen
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