- Text: Yessica Yeti
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Olaf Heine
Ich liebe dich Schatz - aber ich hab’ mich für den Rock’n’Roll entschieden!
Olaf Heine. 32 Jahre alt. Weltenbürger. Pop-Fotograf. Und seit einigen Wochen stolzer Vater eines schweren Buches, auf dessen Umschlag in großen Lettern sein Name steht. Würde man an dieser Stelle die Liste der Berühmtheiten abdrucken, die der im Berliner Exil lebende Hannoveraner schon vor der Kamera still stehen lassen hat, wäre dies der letzte Satz in dieser Story. Der Rest wären Namen.
Schillernde Namen aus Musik, Sport, Literatur und Film. Pop-Ikonen, Sterne, Sternchen, Helden an sechs Saiten, Helden unserer Jugend und Helden unseres letzten Sommers. Jetzt zwang sich Olaf Heine zum zweiten Mal in seiner Karriere zu Fleißarbeit, sortierte die Fotografien der letzten Jahre und komponierte daraus einen beeindruckenden Bildband. Entstanden ist dabei das Scrapbook eines Mannes, der in 15 Jahren Rock-Musik nicht nur Pferde kotzen sehen hat.
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Dein zweites Buch! War es diesmal einfacher als das erste Mal?
Das zweite Buch ist wie die zweite Platte. Du bist routinierter, aber es ist auch viel mehr Arbeit. Für das erste Album hast du dein ganzes Leben lang Zeit. Das ist immer ein Best Of-Album. Die zweite Platte musst du dir erarbeiten. In meinem zweiten Buch steckt viel mehr von mir drin. Es soll etwas davon zeigen, was ich in 15 Jahren Rock’n’Roll erlebt habe. Es ist ein Journal, ein Tagebuch. Zumindest versucht es das.
Der Titel des Buches zitiert eines deiner Bilder. Ein Foto von einer Mauer, auf die jemand „I love you but I’ve chosen Rock“ gesprayt hat. Siehst du dich so?
Erst mal zeichnet dieser Titel ein Bild davon, wie ich junge Musiker sehe. Wenn du 20 bist, machst du alles, um Musik zu machen. Im Zweifelsfalle bleiben deine Lieben, deine Freunde und dein Partner dabei auf der Strecke. „Tschüss. Tut mir leid, ich muss zum Rock’n’Roll“ - und weg bist du! Bei mir war das genauso. Ich hatte zwar keine Gitarre, aber ich hatte einen Fotoapparat. Ich bin nach Berlin gegangen, auf Tour gewesen und habe alles mitgenommen, was ging. Dabei habe ich aber auch viel zurückgelassen.
Der Vorteil dabei Prominente zu fotografieren ist: Man hat immer jemanden, der sich für deine Bilder interessiert.
Der Nachteil ist: Die sind schon 3.000 Mal fotografiert worden! Wenn du mit Snoop oder Iggy Pop arbeitest, ist deren Image bereits festgelegt. Der Betrachter hat eine ziemlich genaue Vorstellung von diesem Menschen, und auch du als Fotograf hast bereits Bilder im Kopf. Die musst du erstmal rausbekommen! Und dann versuchst du, einen Weg zu finden, wie man demjenigen eine neue Seite offenbart. Ich versuche nicht, die Künstler so zu zeigen, wie sie sind. Ich versuche, sie so zu zeigen, wie sie AUCH sind. Eventuell eine andere Seite zu entdecken. Fotografie ist für mich keine Abbildung der Realität. Fotografie verfälscht!
Ist das die einzige Hürde, die du nehmen musst?
Leider nicht. Da wäre als erstes das Zeitproblem. Oft entstehen diese Sessions unter enormen Zeitdruck. Manchmal hast du nur 30 Minuten zwischen zwei Interviews im Hotelzimmer. Oder schlimmer noch, zwischen zwei Foto-Sessions! Dann ist derjenige vielleicht mit dem Kopf ganz woanders. Zu Hause. Im Stress. Noch beim letzten Interview. Fotografie ist ganz viel Kommunikation und Einfühlungsvermögen. Dann kannst du natürlich auch nicht mit ganz abwegigen Ideen kommen. Wenn du für ein Magazin arbeitest oder ein Plattencover fotografierst, sind da neben dem Künstler so viele Menschen an der Entscheidung beteiligt, was nachher genommen wird, dass du schon im Vorfeld genau wissen musst, was du vorhast. Wenn du DAS gut machst, dann hast du am Ende vielleicht ein schönes Foto von Snoop als Shaolin-Mönch. Oder eben nicht.
Kommst es oft vor, dass man was vorbereitet und die Künstler dann nicht wollen?
Sehr oft! Aber dann muss man kompromissbereit sein und auch nachgeben können. Ich bin kein Diktator. Im Gegenteil. Ich fotografiere Menschen, weil ich die Begegnung schätze und eine Auseinandersetzung ist ja immer die INTENSIVERE Begegnung. Deshalb fotografiere ich ja auch Künstler und keine bestellten Models - weil in diesem Diskurs Energie entsteht. Dann ist man spontan, arbeitet wirklich miteinander, entwickelt etwas, hangelt sich aneinander und reibt sich zum Ergebnis. Was dabei entsteht, ist oft viel befriedigender, als das, was man eigentlich ge-plant hatte. Ich weiß, das kling abgedroschen, aber der Weg ist das Ziel. Das ist so.
Gibt es ein Bild in deinem Buch, von dem man sagen kann: Das Ergebnis ist besser, als die Idee, die du ursprünglich mitgebracht hattest?
Nein. Aber wenn es so wäre, würde ich es auch nicht sagen. Ich räume meinem Gegenüber sehr viel Platz ein, nehme ihn ernst und führe ihn nicht vor. Die Leute wollen immer gerne die Geschichten hinter den Bildern hören. Die erzähle ich aber nicht. Auch Diskretion muss man können. Gehört zum Job!
Fotos: Olaf Heine Heimat: olafheine.com
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