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Bild: Sven Regener
  • Text: Timo Richard
  • Verlag: Galiani
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Sven Regener
Meine Jahre mit Hamburg-Heiner. Logbücher


Was auch immer Sven Regener - Frontmann von Element Of Crime und Autor der „Herr Lehmann“-Trilogie – anfasst, wird zu Gold. Könnte man denken. Die in „Meine Jahre mit Hamburg-Heiner“ veröffentlichte Sammlung seiner mittlerweile legendären Blogs zeigt Sven Regener allerdings auch als grantelnden Zweifler, als Orientierungslosen auf der Frankfurter Buchmesse und als Zielscheibe geharnischter Kritik aus dem Munde seines Freundes Hamburg-Heiner. Oder eben nicht, denn wie viel „echter“ Sven Regener in seinen „Logbüchern“ steckt, weiß der Autor im Interview ziemlich genau zu beziffern.

In einem deiner Blog-Einträge findet sich das schöne Zitat: "Schön singen ist das eine, schlau reden was ganz anderes." Wo kommt da das Schreiben ins Spiel?
Sven Regener: Naja, wenn es sich um Literatur, Belletristik handelt, dann muss auch das nicht schlau sein. Schadet nicht immer, wenn einer schlau ist, nützt aber in der Kunst auch nicht viel. Das gilt dann auch fürs Schreiben.

Was war und ist der größte Unterschied zwischen der Arbeit an einem Roman, einem Blog und einem neuen Album?
Sven Regener: Die Frage ist eher, was die Gemeinsamkeiten sein sollten. Musik ist natürlich gleich schon mal die ganz andere Welt. Blogs schreibt man, jedenfalls in meinem Fall, wo es um zeitlich begrenzte Aktionen geht, täglich und veröffentlicht sie gleich. Aber meine Blogs haben auch einen roten Faden, inhaltlich wie auch personell in Gestalt von Hamburg-Heiner. Insofern sind die gesammelten Blogs im vorliegenden Buch nicht ganz so weit von einem Roman entfernt, wie man denken möchte. Aber Roman ist eben Roman und "Meine Jahre mit Hamburg-Heiner" sind Logbücher, tja, da komme ich jetzt auch nicht weiter...!

Hamburg-Heiner ist ein alter Freund von dir und ein ewiger Kritiker. Ist Kritik ein integraler Bestandteil von Freundschaft?
Sven Regener: Nein. Freundschaft ist Freundschaft und Kritik ist Kritik. Das hat miteinander nichts zu tun.

Wird man anfälliger für Kritik - wenn sie nicht gerade von Hamburg-Heiner kommt - oder kann schlechter damit umgehen, je weniger man davon zu hören bekommt? Dein Werk besteht ja zum Großteil nicht gerade aus Flops...
Sven Regener: Kritik und Kritiker sind wichtig für das Publikum, nicht für den Künstler. Ein Künstler, der sich von Kritik und Kritikern beeinflussen lässt, ist nicht bei Trost!

Haben die Blogs für dich einen nostalgischen Wert?
Sven Regener: Nein, ich neige nicht so sehr zur Nostalgie. Eigentlich überhaupt nicht. Wahrscheinlich geht es mir dazu zu gut.

Welcher Gedanke hat dich am meisten überrascht, als du ihn im Nachhinein noch mal gelesen hast?
Sven Regener: Dass man nicht genau weiß, ob Thomas Mann, wenn Schleswig-Holstein an Österreich abgetreten wird, dann auch posthum zum Österreicher wird oder nicht. Schwierige Frage!

Wie schöpferisch ist Sven Regener als Blogger tätig? Die Tourpläne kann der Leser ja nachvollziehen, den Rest aber nur sehr bedingt...
Sven Regener: Zu 95% würde ich sagen. Um Nachvollziehbarkeit geht es dabei so oder so weniger. In der Kunst, also da, wo schöpferisches Tätigsein zu Hause ist, geht es doch eher um Spaß, Liebe, Angst, Sex und die Frage, wo Hamburg-Heiner gerade ist und dergleichen, das hat mit "Nachvollziehen" nicht viel zu tun.

Fühlt man sich manchmal auch schuldig, wenn man den Rock’n’Roll-Mythos so nachhaltig dekonstruiert, wie du es in deinen Blogs tust?
Sven Regener: Ich finde nicht, dass der Rock'n'Roll-Mythos in meinen Blogs dekonstruiert wird. Was man hinten mit dem Arsch einreißt, baut man ja vorne mit den Händen zugleich wieder auf. Das ist das Schöne an Mythen: Sie sind unzerstörbar. Gerade so wie der Rock’n’Roll.


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