- Text: Timo Richard
- Verlag: DuMont
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Karte und Gebiet
Normalerweise steht zur Veröffentlichung eines neuen Houellebecq-Romans auch ein ordentlicher Skandal ins Haus, wedeln Kritiker aufgeregt mit den Armen und unterstellen dem Autor so ziemlich jede politische Inkorrektheit, die sich ersinnen lässt. Nun erscheint mit „Karte und Gebiet“ Houellebecqs fünfter Roman nach Aufregern wie „Elementarteilchen“ oder „Ausweitung der Kampfzone“ und ist wenig dazu angetan, Krach zu schlagen. Nachdem alle seine vorherigen Veröffentlichungen früher oder später in misanthropische Dystopien gekippt sind, hat Houellebcq seinen neuen Roman äußerst heiter, geradezu fluffig gestaltet. Und das, obwohl ein bestialischer Mord, der fast wie die Karikatur eines Schwedenkrimi-Gemetzels wirkt, sogar sein literarisches Alter Ego hinwegrafft. Eigentlich geht es aber um Jed Martin, der vom kleinen Fotografen zu Frankreichs bestbezahltem Künstler wird und – wie es sich für einen Houellebecq-Roman gehört – natürlich um die großen Themen unserer Zeit, um Entfremdung und die Frage, wie sich Postkapitalismus anfühlen könnte. Im Gegensatz zu den Vorgängern zieht „Karte und Gebiete“ allerdings ein durchaus positives Fazit und zeigt einen Autor in Bestform.
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