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Bild: Farin Urlaub
  • Text: Caroline Frey
  • Fotograf: Birte Filmer
  • Preis: 98 Euro
  • Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf
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Farin Urlaub
Turn left in 1.200 kilometers


Im Jahr 2007 ging Herr Urlaub erstmals unter die Autoren und veröffentlichte den Bildband „Unterwegs 1“ mit Geschichten und Fotos einer Reise durch Indien und Bhutan. Wobei an dieser Stelle vielleicht noch anzumerken wäre, dass Farins Verständnis vom zweiten Teil seines Namens wenig mit dem zu tun hat, was Reiseveranstalter und Lieschen Müller sich darunter vorstellen. Am liebsten allein und inzwischen mit drei Kameras bewaffnet, sucht er die abgelegenen Orte, weit weg von jedem Tourismus, um der Natur, den Menschen und der Lebensart des jeweiligen Landes auf den Grund zu gehen.

Jetzt folgt mit dem konsequent betitelten „Unterwegs 2“ der Nachfolger. Wieder aufwändig produziert, kann man mit dem Buch (600 Fotos auf 504 Seiten) drei Monate visuellen Urlaub mit Urlaub in Australien machen, und obendrein noch drei Wochen in Ost-Timor. Geplant war das natürlich alles ganz anders...

Warum Australien? Es gibt darüber doch inzwischen vermutlich mehr Bildbände als Einwohner dort...
Eigentlich sollte der zweite Bildband von Afrika handeln, aber diese Reise musste ich abbrechen, weil sie einfach zu gefährlich wurde. Ich will hier nicht ins Detail gehen, aber es war wirklich sehr bedrohlich. Diese Erfahrung saß ziemlich tief – auch deshalb wollte ich ein entspannteres Reiseziel. Außerdem hatte ich Lust auf Weite. So fiel die Wahl auf Australien und Papua.

Papua?
(lacht) Ja, auch ein Plan, der nicht funktioniert hat. Die Kleinflugzeuge, die mich durch’s Land hätten fliegen müssen, da es keine Straße von der Küste in die Highlands gibt, hatten ein Gepäcklimit von 18 Kilogramm - und allein mein Kamera-Equipment wiegt an die 30 Kilo. Dann fiel mir eine Mail ein, die mir ein UN-Mitarbeiter geschickt hatte, in der er mir vorschlug, Ost-Timor zu besuchen. Also bin ich dorthin geflogen und es war die beste Entscheidung: Ohne diesen Teil der Reise wäre auch wohl kein Buch entstanden.

Die Reise fängt ja gleich mit einer ganz lustigen Geschichte an. Mitten in der Nullabor-Wüste stellst du fest, dass etwas mit der Elektrik deines Autos nicht stimmt...
Genau. Im nächsten kleinen Ort frage ich in einer Werkstatt nach einem Elektriker und nach einigen Beratungen sagt man mir, einen solchen in Esperance zu suchen. Das war sein voller Ernst, obwohl das eine Strecke von über 1.000 Kilometern ist. Komplett andere Dimensionen und für mich eine ganz schön absurde Vorstellung, dass ich jetzt von Hamburg nach Rom fahren muss, um mein Auto reparieren zu lassen. Aber auch ganz lustig, wenn dir dein Navigationsgerät dann ganz trocken „Turn left in 1.200 kilometers“ sagt.

Als jemand, der die Hälfte der Welt schon gesehen hat: Ist der Gesamteindruck unseres Planeten für dich eher ein schöner oder ein schrecklicher?
Ich finde die Welt tatsächlich atemberaubend schön, aber vor den Dingen, die Menschen in der Lage sind, sich gegenseitig anzutun, stehe ich kopfschüttelnd und frage mich, warum wir uns das Leben so zur Hölle machen müssen. Dann wiederum begegnen mir Leute, die fast gar nichts haben und genau die teilen das Wenige noch mit mir. Ich glaube mittlerweile, je mehr man hat, um so größer ist die Angst, dass es einem wieder weggenommen wird und um so weniger will man helfen. Ich weiß nicht, ob wir als Spezies eine Zukunft haben, aber ich weiß, dass ich die ganze Welt sehen will, soweit das in einem Leben zu bewerkstelligen ist. Wenn man das Gute und das Böse, das mir auf meinen Reisen bisher zugestoßen ist, gegeneinander aufrechnet, beträgt der Anteil an Bösem höchstens 2%. Das ist dann manchmal zwar sehr böse, aber das Gute ist so schön, dass ich es gerne in Kauf nehme.

Bekommst du nicht Lust, die Welt zu retten?
Ich suche tatsächlich immer noch nach einem guten Ansatzpunkt. Ich glaube, wenn mehr Leute so viel von der Welt gesehen hätten wie ich, dann würden sie anders mit ihr umgehen. Das ist natürlich auch ein Widerspruch. Denn ich weiß auch, dass ich ordentlich Kerosin in die Welt geblasen habe, um an all diese Orte zu kommen. Von daher bin ich wohl mächtig daran beteiligt, wenn die Welt untergeht. Trotzdem mache ich hier abends kein Licht an, wenn es nicht notwendig ist, benutze nie eine Klimaanlage und die Tatsache, dass wir mit Trinkwasser unsere Kacke runterspülen, macht mich fürchterlich wütend.

Du hast dein Honorar an dem Buch wieder gespendet und neulich Gitarren auf ebay für Ärzte ohne Grenzen versteigert. Hast du schon mal über ein weitergehendes Engagement nachgedacht?
Ich glaube nicht, dass ich für einen UN-Botschafter-Posten oder so was der Richtige bin. Das soll keine Entschuldigung sein, aber ich suche wirklich noch den Ansatz, der für mich der richtige ist.


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