G.A.S. - DIE TRILOGIE DER STADTWERKE
Wir schreiben das Jahr 2023. Die Türme von Manhattan sind noch gigantischer und die Abwässer unter diesen Türmen noch schlechter. Vor allem die Abfälle der Genlabors haben sie in gefährliche Biotope verwandelt, in die sich die Kanalarbeiter nur noch bis an die Zähne bewaffnet hineinwagen. Der Bill Gates dieser Zeit heißt Harry Gant. Ein Unternehemer, der den Bau von Wolkenkratzern quasi aus Leidenschaft betreibt. Reich geworden ist er durch 'Elektroneger', die vor allem deswegen ein Verkaufsrenner wurden, weil die echten Neger ...äh Schwarzen kurz nach der Jahrtausendwende einem mysteriösen Virus zum Opfer fielen. Selbstverständlich gibt es in dieser naturverachtenden Welt auch extremistische Umweltaktivisten. Mit dem U-Boot 'Yabba-Dabba-Doo' versuchen sie durch spektakuläre Aktionen, das Schlimmste zu verhindern.
Eigentlich könnte alles wunderbar so weiter gehen. Doch eines Tages fangen die Elektroneger an durchzudrehen. Einige dieser Diener haben ihre 'Verhaltensinhibitioren' kurzgeschlossen und können den Menschen jetzt auch schaden. Eigentlich unmöglich oder zumindest extrem aufwendig. Deswegen macht sich die ehemalige Kanalarbeiterin, Umweltaktivistin und immer noch Raucherin Joan Fine, die skurrilerweise auch noch Gants Ex-Frau ist, auf die Suche nach der Antwort zu diesem Problem. Mit dabei ist ihre Freundin Kite, die angeblich schon im Unabhängigkeitskrieg gekämpft hat und somit fast 200 Jahre alt ist. Nach und nach kommen sie darauf, dass die Verhaltensauffälligkeiten der Diener nur Teil einer größeren Sache sind...
Auch wenn sich die Geschichte wie ein staubtrockenes Horror-Szenario à la '1984' oder 'Brave New World' anhört ist 'G.A.S' eine gnadenlose Satire über die Zukunft. Wie immer bei jeglicher Art von Utopie spiegelt sich auf extreme Weise der Ist-Zustand unserer jetzigen Zeit wieder. Allerdings läuft Ruff nicht der erhobene Zeigefinger blau an. Die Menschen sind ebenso wie sie sind. Deswegen ist Harry Gant auch nicht einfach ein skrupelloser Geschäftemacher, sondern jemand, der genauso verrückt und selbstverliebt ist wie die Umweltschützer, die seine Aktionen sabotieren. Die Bösen in diesem Roman sind die Maschinen und sie sind bösen, weil sie nicht die Unzulänglichkeiten der Menschen besitzen. Natürlich haben sie keine Chance.
Wahrscheinlich ist Ruff ständig auf Drogen, wie sonst kann man sich so eine verrückte Welt voller Details ausdenken, die so verrückt ist, dass sie irgendwann wahr werden könnte.
Matt Ruff, G.A.S., Trilogie der Stadtwerke, dtv 2000, 622 Seiten, DM 19,50.
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