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Bild: MAI 3D

MAI 3D


Angeblich gibt es in der deutschen Literatur zur Zeit einen Aufbruch. Neue, junge Autoren, die sich ganz unvoreingenommen -ohne irgendwelchen Ballast der Geschichte wie Grass, Lenz oder Böll- über sich und ihr Leben äußern. Die wirklich junge Alexa Henning von Lange ist in diesem Hype schon länger mit dabei; ihre beiden Mitstreiter Müller-Klug und Haaksmann sind zwar nicht mehr ganz so jung, dafür aber noch unbekannter. Eine ganz neue Ausdrucksform habe diese Generation gefunden, irgendwie unbeschwert, aber dennnoch tiefgründig. Nach 'Mai 3D' kann ich nur sagen, wenn das meine Generation sein soll, dann ist das hier nicht meine Party.
Doch worum geht´s? Die drei haben einen Tagebuchroman über drei Typen in Berlin verfasst, wobei jeder der Autoren einen Charakter übernommen hat. Die Charaktere heißen Kai, Marc und David und kennen sich, weil sie als Fotomodels arbeiten. Der geneigte Leser darf jetzt an dreißig Tagebucheinträgen von jedem dieser drei teilhaben und erfahren, wie sie in tolle Clubs gehen, sich auf Szeneparties langweilen und in der GEO als Szenetypen abgelichtet sind und davon natürlich voll abgenervt sind. Gähn! Außerdem wird Kai Vater, weil er auf einer Party Sofie gevögelt hat, David jettet auch schon mal nach Österreich, um als DJ aufzulegen und Marc schreibt für einen mysteriösen Auftraggeber als Ghostwriter für 1000 Mark Seminararbeiten in einer Nacht...noch mehr Gähn!
Die Idee eine Bestandsaufnahme von Menschen in Form eines Tagebuchs zu machen, ist eigentlich nicht übel, aber 'Mai 3D' ist einfach nur eine Farce. Wenn das ganze wenigsten zynisch gemeint wäre. Doch mit erschrecken muss man irgendwann feststellen, dass die Autoren offensichtlich wirklich an den Quatsch glauben, den sie da verzapfen. Teilweise gibt es nämlich erschreckende Parallelen zwischen den Autoren und ihren Charakteren. Haaksmann, der die Rolle Davids übernommen hat, ist selber DJ und wenn sein Leben wirklich nur ein bisschen Ähnlichkeit mit dem Dargestellten hat, kann er einem nur Leid tun.
Das einzig gute an 'Mai 3D' ist, dass es nur knapp 200 Seiten hat, in großen Lettern gedruckt ist und man nicht viel mehr als einen Tag damit verschwenden muss.
Alexa Henning von Lange, Till Müller-Klug, Daniel Haaksman, Mai 3D, Quadriga 2000, 199 Seiten, Preis nicht bekannt.


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