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Bild: Jazam 4: Monster!
  • Text: Andreas Hartung
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Jazam 4: Monster!


Neulich überreichte mir eine Arbeitskollegin eine Präsentationsmappe eines ambitionierten und hoffnungsvollen Freundes. Darin enthalten waren Comicseiten und ein ausführliches Konzept für eine längere Geschichte. Damit hatte er sich schon mehrmals bei größeren Verlagen beworben. Erfolglos.

Die Comics waren eigentlich ganz witzig. Vielleicht teilweise etwas krude gezeichnet, aber originell und unterhaltsam. Ich habe mich dann nie bei ihm gemeldet, weil ich nicht wusste, was ich ihm sagen sollte, außer: Vergiss es! Schau dir das neue Carlsen-Programm an! Außer Reinhard - Johnny Cash – Kleist, der gerade seine Narrenfreiheit genießt, gibt es dort keine einheimischen Comiczeichner (lassen wir jetzt Flix mal weg – das erhöht die Dramatik). Und dass sich Ehapa überhaupt noch Comic-Verlag nennt, ist recht drollig in Anbetracht dessen, dass sie den ganzen Tag nur darüber nachdenken, wie man die alten Carl Barks-Seiten noch mal neu zusammenheften kann. Deswegen jetzt hier mein Rat: Macht es selber!

Auf welchem hohen Niveau das heute möglich ist, zeigt einmal mehr die neueste Ausgabe des Jazam-Projektes. Das hat nix mehr mit selbst kopierten Comic-Fanzines aus den Achtzigern zu tun, sondern ist in großen Teilen - sowohl vom Inhalt als auch der Aufmachung - schlicht professionell. Sicher, es braucht ein großes Maß an Idealismus und Organisationstalent. Und reich und berühmt ist damit auch noch keiner geworden. Aber das wirst du bei Ehapa auch nicht! Dort lagern Absatzzahlen in den Giftschränken, die den Laien die Kinnladen an die Brust tackern würden. Wir brauchen die großen Verlage nicht! Und so kannst du dich wenigstens mit lauter anderen Bekloppten auf Comicmessen hinter einem Stand treffen.

Das Projekt Jazam ist eine Art Mainstream-Panik-Elektro. Es widmet sich, pro Ausgabe einem Thema, zu dem dann interessierte Zeichner ihre Arbeiten einreichen können. Nach Märchen, Götter und Zeit lautet das Thema der vierten Ausgabe Monster. Und ein wahres Monster ist das Buch mit seinen 356(!) Seiten und 68(!) auch geworden. Damit dürfte es im Moment eine der fettesten Comic-Eigenproduktionen in Deutschland überhaupt sein. Und das mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis sowieso. Gleichzeitig gibt es einen guten Überblick, was in der deutschen Mainstream-Comicszene gerade so geht. Und das ist offensichtlich so einiges. Es gibt eine ausführliche Webseite, auf der der Entstehungsprozess jedes Buches ausführlich begleitet und oft auch diskutiert wird.

Bildet Banden! Zeichnet Comix!

Test: A. Hartung
Heimat: jazam.de
Preis: 15 Euro(!)


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