- Text: A. Hartung
- Preis: Comicrevolution! 19,95 Euro, Mycomics 14,95 Euro
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Comic Revolution!
mycomics.de
Nichts ist so schnell ausgerufen wie die nächste Revolution. Meistens geht es dabei jedoch nicht darum, einen Tyrannen am nächsten Laternenpfahl aufzuknüpfen oder um Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, sondern um die Weiterentwicklung von Flachbildschirmen. Oder zum Beispiel, dass es heutzutage Comics gibt, die ZUERST fürs Internet produziert werden und erst DANN als analoges Buch erscheinen. Mann O Mann. Da qualmt die Barrikade und Che Guevara dreht sich noch mal im Bette um. Die Freigeister von Panini haben nun zwei dieser revolutionären Auswüchse als Sammelbände herausgebracht. Das erste heißt dann auch direkt “Comic Revolution!“ und enthält Kurzgeschichten, die von gestandenen Comicmachern wie Mike Mignola, Gerard Way, Steve Niles und Peter Bagge für Dark Horse MySpace entstanden sind. Die großen Namen sorgen, wie nicht anders zu erwarten, für meist gelungene Unterhaltung und bilden einen bunten Comic-Blumenstrauß, der bei jeder längeren Bahnfahrt willkommen ist.
Mit so etwas wie MySpace halten sich die einheimischen Herrschaften von Panini erst gar nicht auf und haben stattdessen vor einiger Zeit ihre eigenes Comic-My-Space gegründet. Das heißt mycomics.de und bietet Verlagen und Usern die Möglichkeit, Ausschnitte und komplette Comics hoch zu laden, diese gegenseitig zu betrachten, zu bewerten und zu kommentieren. Ein in dieser Form gelungenes und einmaliges Projekt, das über den Ursprung als Werbeplattform für die Verlage auch vielen jungen Zeichnern die Möglichkeit bietet, ihre Werke einem größeren Publikum vorzustellen. Etwas gemein ist es daher, quasi als deutsches Pendant zur “Comic Revolution!“, gleichzeitig eine Auswahl der besten User-Comics aus mycomics.de zu veröffentlichen. In Deutschland zeichnen viele der hoffnungsfrohen Nachwuchskünstler nach Schul- oder Feierabend alleine für sich hin. Vermutlich oft genug nur mit Freunden und Familie als einziges und eher unkritisches Feedback. Das tut einer überzeugenden künstlerischen Entwicklung natürlich nur bedingt gut. Und so ist bei vielen deutschen Nachwuchszeichnern vor allem ein rühriges Durchhaltevermögen die lobenswerteste Eigenschaft. Das ist eigentlich auch alles kein Problem! Soll doch jeder zeichnen, wie und was er will. Aber warum lässt man das dann nicht einfach im Internet? Das muss man doch nicht zwischen zwei Buchdeckel pressen. Und dann das auch noch grinsend als quasi „Deutschlands beste Internetcomics“ betiteln. Wer will hier wen verarschen? Dann doch lieber gleich auf mycomics.de gehen. Das lohnt sich nämlich oft wirklich! PS: Ob die Panini-Leute den mycomics.de-Band stolz ihren amerikanischen Kumpels zeigen? Das würde mich ja mal interessieren.
Heimat: paninicomics.de
Heimat: mycomics.de
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