- Text: A. Hartung
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Seyfried & Ziska
Kraft durch Freunde
Seyfried und Ziska erschufen zu Beginn der Neunzigerjahre (des letzten Jahrtausends) die verstörend-betörend grell-düsteren Comicalben “Future Subjunkies“ und “Space Bastards“. “Kraft durch Freunde“ heißt das Ergebnis der neuesten Kollaboration.
Auf den ersten Blick wirkt es wie der Versuch, die alten Seyfried-Comics mit der grellen Depression von “Space Junkies“ zu vereinen. Kraft durch Freude hieß ja bekanntlich die Freizeitorganisation des Nationalsozialismus, die dafür sorgen sollte, dass jeder Bürger den gleichen Urlaub und das gleiche Theaterstück erlebt. Wer sich davon einen optischen Eindruck machen will, kann sich ja einfach mal die Kdf-Anlage Prora auf Rügen anschauen.
In “Kraft durch Freunde“ erfolgt eine Art gesellschaftliche Freizeit-Gleichschaltung über das neueste It-Phone: den "Moon". Der kann alles, was ein Smart-Phone auch kann, dient als Kamera und Sender, als Personalausweis und Fingerabdruck. Und: Er kann fliegen. Wie ein kleiner Handy-Hund umschwebt er 24 Stunden sein Handyherrchen. Die sich daraus ergebenden Möglichkeiten der totalen Überwachung möchte sich das Ministerium für Informationssicherheit natürlich nicht entgehen lassen. Im Gegenzug lässt sich der Konzernchef von Kraft durch Freunde, Dr. Freund, als Kandidat für die Vereinigten Staaten von Europa aufstellen. Dr. Freunds Wahlversprechen: Wenn ich gewinne, bekommt jeder Bürger einen Moon für einen Euro! Die totale Überwachung rückt in greifbare Nähe.
Mit gewohntem Witz und Schärfe machen sich Seyfried und Ziska über die Konsumgeilheit, den Überwachungswahn und die freiwillige Aufgabe der Privatsphäre lustig. Dabei haben die beiden mit einem allseits bekannten Problem zu kämpfen. Was macht man, wenn die Wirklichkeit nicht mehr parodierbar ist? Die Satire von der Realität eingeholt beziehungsweise überholt ist? Einige Details wirken fast schon anachronistisch. Die kaufgeile Masse im Media Markt sieht genau SO aus! Das Wort Privatsphäre durchläuft gerade einen Bedeutungsverlust, der vielleicht erst in einigen Jahren vollkommen ersichtlich sein wird. Und alle machen freiwillig mit! Spätestens seit sich in den letzten Jahren die Werbeagenturen auch nicht mehr scheuen, die niedrigsten Instinkte ganz offen zu befeuern und die entsprechende Schamgrenze immer weiter nach unten zu legen, quasi sich permanent selbst zu parodieren, verliert der gewohnte ätzende Stachel von Seyfried und Ziska auf einmal verblüffend an Schärfe. Werbeslogans, wie “Geiz ist geil!“ oder “Kauf dich glücklich“ könnten eigentlich auch aus alten Seyfried-Comics stammen.
Dass im Comic die ganze Verschwörung zum Scheitern gebracht wird, indem sich einfach eine sympathische italienische Widerstandszelle in die Moons einhackt und aus ihnen das falsche Lied zur richtigen Zeit erklingen lässt, wirkt vor allem irgendwie putzig. Fast möchte man die beiden Künstler in den Arm nehmen, drücken und flüstern: „Ich mag doch auch lieber selbstgebackenes Brot unterm italienischen Abendhimmel, aber die alten Lieder haben nicht mehr die gleiche Kraft! Wetzt eure Messer! Macht sie richtig scharf! Ich weiß, dass ihr das könnt! (Und vielleicht lasst ihr dann das nächste Mal auch einfach diese zentimeterdicken Outlines und diese bescheuerte Farbverlauf-Computer-Colorierung weg?! Ja?!)"
Das Buch ist in Deutschland nur bei Zweitausendundeins erhältlich.
Heimat: seyfried-ziska.de
Heimat: zweitausendundeins.de
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"n" steht für nazi
Es ist doch immer wieder erstaunlich, in welche Fettnäpfchen man treten kann, wenn man nur einen einzigen Buchstaben vergisst. In diesem Fall ein ziemlich großer Fettkübel sozusagen.
Der Comicband ist nämlich nicht nach der nationalsozialistischen Organisation benannt sondern ist allerhöchstens eine ironische Anspielung darauf. Tatsächlich geht es um "Kraft durch FreuNde", nicht durch "Freude".
Sollte ich mich hiermit lächerlich machen und das ganze nur ein gut gemeinter Wortwitz sein, dann können darüber wohl nur gewisse braune Kartoffelköpfe lachen. Das wäre dann ungefähr so witzig, wie das Begrüßen der Verkäuferin im türkischen Supermarkt mit den Worten "Heil Hitler!"...
Die Hoffnung, das ganze sei nur ein Tippfehler habe ich leider beim dritten "Verschreiber" aufgegeben...