- Text: A. Hartung
- Preis: Preis: 12 Euro, 12 Euro, 25 Euro
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Französische Sandalencomics
1 Herakles / Für das Imperium Band 1 Ehre / Plepum
Was Homer in seinen Geschichten verschweigt, ist: Herakles hatte einen Hund. Sokrates hieß er, und wie der Name bereits andeutet, macht dieser sich so seine Gedanken. Über seinen Herren und die Bedeutung der Dinge, die er tut. Dummerweise ist das nicht viel, denn Herakles ist geistig und von der Handlungsvielfalt genügsam: Ungeheuer töten, der Damenwelt nachsteigen, am Lagerfeuer essen und schlafen reicht ihm vollkommen aus. So reagiert er auch leicht genervt auf die nachdenklichen Beobachtungen seines tierischen Begleiters. Ein Hund sollte Bällchen holen und von den Damen für niedlich befunden werden.
“Sokrates der Halbhund“ ist schlicht gesagt eines der tollsten und unterhaltsamsten Comics der letzten Monate. Es ist beeindruckend, mit welcher Frische und Leichtigkeit die kongenialen Texter Joan Sfar und Zeichner Christopher Blain hier die antiken Sagengestalten aufs Korn nehmen und gleichzeitig lakonisch das Verhältnis der Geschlechter kommentieren. Die besten Comickünstler kommen immer noch aus Frankreich. Da kann man nix machen.
Ebenfalls aus Frankreich kommt der junge Shootingstar Bastian Vivès, der vor allem mit seinem Album “Der Geschmack von Chlor“ (Reprodukt) Aufsehen erregte. Nun hat er sich mit den Kollegen Merwan und der Coloristin Desmazierès zusammengetan, um eine Art epischen Sandalen-Comic vorzulegen. “Für das Imperium“ ist dabei überraschend herkömmlich geraten. Eine aus lauter Spezialisten bestehende Spezialeinheit rückt mit geheimem Sonderauftrag ins Feindesland vor, wo sie allerhand Schwierigkeiten zu meistern hat. Zwar kann “Für das Imperium“ durchaus mit atmosphärischen Bildern und einer stimmigen Farbgebung aufwarten, aber die unglaublich bescheuerte Idee, alle Bilder noch mit einer Struktur zu überlagern, wirkt effekthascherisch und lässt alsbald das Auge schmerzen. Vielleicht geschieht ja in Band Zwei, welcher den immerhin vielversprechenden Titel “Frauen“ trägt, etwas Ungewöhnliches.
Wesentlich düsterer und härter geht es bei dem im Avant Verlag erschienen Album “Pleplum“ zu. Vier Männer finden am Ende der bekannten Welt in einer Höhle eine - von einer dicken Eisschicht umhüllte - Frau, schöner als Merkur und Helena. In der Hoffnung auf großen Reichtum, ziehen sie die Schöne mühevoll durch die Fremde. Seltsame Krankheiten raffen die Expeditionsmitglieder dahin. Bei dem aus adliger Familie stammenden Publius Cimber hilft der Jüngste der vier noch etwas mit dem Messer nach. Er will die Statue ganz für sich, trägt fortan den Namen des Gemesserten und schläft nachts in anzüglicher Haltung auf der noch immer gefrorenen riesigen Frauenstatue. Der durch “Der kleine Christian“ bekannte französische Comiczeichner Blutch schuf mit “Peplum“ eine albtraumhafte Odysee, eine grafische Tour de Force. In düsteren, expressiven, dynamischen Zeichnungen lässt er seinen jugendlichen Anti-Helden auf gierige Händler, verkrüppelte nackte Schönheiten, Hexerei und Erektionsstörrungen treffen - bis er am Ende auf einem Schiff dem Bruder des verstorbenen Publius Cimber gegenüber steht.
Heimat: reprodukt.com, avant-verlag.de
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