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Bild: Norac/Poulin
  • Text: A. Hartung
  • Preis: 24 Euro
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Norac/Poulin
Im Land der verlorenen Erinnerung


Rousseau ist ein Hund. Zumindest sagt das der Polizist, der ihm seine Ausweispapiere hinwirft. Er sagt, Rousseau sei ein Hund und er solle auf seine Ausweispapiere aufpassen, denn ohne die wäre er nur noch einen Dreck wert. Wie eine Katze. Rousseau weiß nicht, dass er ein Hund ist. Er weiß noch nicht mal, dass sein Name Rousseau ist. Er erwacht nach einem Bombenattentat auf einen Bus mit bandagiertem Kopf und ohne Erinnerung in einem Krankenhausbett. Rousseau sieht auch nicht aus, wie ein Hund. Eher wie eine Katze. Die flache Schnauze, die spitzen Ohren, die Fischgräte auf dem Teller in der Wohnung, die sein Zuhause sein soll.

Die Katzen sind die Terroristen, die Ausgestoßenen und die Unterdrückten. Sie wollen nur ihre Freiheit. Sie zerbomben Busse und sprühen Graffitis an die Wand – und wenn es das letzte ist, was sie tun. Und das ist es dann oft auch wirklich. Ein Atmosphäre wie in Israel und dem Südafrika der Apartheid in einem. Auf den Familienfotos, die Rousseau findet, sind alle Hunde. Also wird er wohl auch einer sein. Aber jetzt, mit bandagiertem Gesicht und ohne Gedächtnis ist er endgültig zum Grenzgänger geworden. Er will nicht (mehr?) kämpfen. Und so macht er sich auf die Suche.

Fünf Jahre hat Illustrations-Star Stéphane Poulin an seinen beeindruckenden und stimmungsvollen Bildern für “Im Land der verlorenen Erinnerung“ gearbeitet. Er bat den nicht minder erfolgreichen Schriftsteller Carl Norac, die Geschichte hinter seinen Bildern zu erzählen. So beschreibt es zumindest der Klappentext. Und dann passierte Folgendes: Norac schrieb den Text und quatschte die Bilder zu. Mit einer eindringlichen, stellenweise fast pubertär bedeutungsschwangeren Geschwätzigkeit, erklärt er Poulins stille, traurige Bilder und nimmt ihnen damit fast jeden Raum. Besonders deutlich wird das an den Stellen, wenn seitenlang mal nur die Bilder erzählen dürfen und der Text endlich einmal schweigt. Wie schade, dass Poulin nicht auf die Kraft seiner Bilder vertraut hat. Was für ein schönes, trauriges, melancholisch-kitschiges Buch hätte das werden können.


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