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Hampeln 2.0
Vor kurzem ist die amerikanische „Electronic Entertainment Expo“, kurz „E3“, zu Ende gegangen. Drei Tage lang war die größte Spielemesse der Welt für uns Gamer sogar wichtiger als Fußball. Auf der E3 wurde der große Gaming-Trend des Jahres vorgestellt. Und der nervt uns jetzt schon.
„Bewegung“ lautet die Antwort der Softwareriesen auf die Frage, was der nächste heiße Scheiß auf dem Spielemarkt sein soll. Nintendo hat es mit der Wii vorgemacht, jetzt ziehen Microsoft und Sony nach. Und überholen den japanischen Traditionshersteller direkt. Statt wie früher beim Zocken ganz gemütlich auf dem Sofa zu lümmeln, sollen wir uns künftig vor dem Fernseher abstrampeln. Schöne neue Technik-Welt: Sowohl Microsofts „Kinect“ wie auch „PlayStation Move“ erfassen unsere Bewegungen und übertragen sie auf den Bildschirm. In die Hocke gehen, mit den Armen wedeln und dabei bis zur Bewusstlosigkeit headbangen – dank kleiner Sensorkameras erscheint jede Geste unseres Körpers in Sekundenbruchteilen auf dem Screen. Klingt eigentlich super, fast wie „virtuelle Realität“ und „mittendrin statt nur dabei“. Doch wie bei fast jeder neuen Technologie weiß keiner damit was anzufangen.
Die ersten vorgestellten Spiele für die Hampelmaschinen sind witzlose Reaktionstest mit dem Prädikat „familienfreundlich“. Bälle schlagen, fechten, paddeln, gähn. Klar, man muss das neue Spielzeug erst mal unters Volk bringen, hat bei Nintendo ja auch funktioniert. Aber schon wieder Minispiel-Sammlungen? Schon wieder alles ganz einfach, alles ganz bunt, alles ganz casual? Wir von gameone.de sehnen uns langsam nach der guten alten Zeit zurück, als unser Hobby noch uns gehörte und nicht der Großfamilie inklusive Mama und der kleinen Schwester. Wir beißen die Zähne zusammen und spielen mit. Noch. Bis die Casual-Welle vorbei ist und die Hardcore-Games für Hardcore-Gamer zurück kommen.
Hoffentlich haben wir bis dahin vor lauter Hampelei nicht vergessen, wie man ein Gamepad bedient.
Text: Wolf Speer
Wolf Speer ist Redakteur bei MTV GameOne. Auf gameone.de spielt er mit seinen Kollegen neue Games, bricht regelmäßig seine Highscores und geht zu selten in die Sonne.
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