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Kolumne


Mein ehemaliger Klassenlehrer pflegte zu sagen, dass "man mit Video- und
Computerspielen kein Geld verdienen kann". Jetzt, rund zehn Jahre später,
sieht die ganze Sache anders aus. Ich arbeite in einer Redaktion, die
monatlich mehrere Hunderttausend Menschen mit aktuellen Informationen aus
der Spielewelt füttert und aus dem ehemaligen Kellerkind-Ferkel namens
"Spieleindustrie" ist ein milliardenschweres Mastschwein geworden, das etliche Familien ernährt und von dem sich viele Schlipsträger ein dickes Stück abschneiden wollen.

Doch auch die Kunden der Spieleindustrie haben sich geändert. Mittlerweile spielt der Großvater mit dem Enkel "Uno" über "Xbox Live" und die Hausfrau entspannt nach dem stressigen Arbeitstag bei einer Runde "Die Sims 3" – wo sie noch mehr Wäsche bügelt und den virtuellen Haushalt schmeißt. Jeden Mittwoch treffe ich mich mit meinem Kumpel Hauke zum Fußball: In „FIFA 10“ liefern wir uns erbitterte Gefechte, während er in seiner Universität in Barcelona sitzt und ich 1.939 Kilometer entfernt vor dem Fernseher in Hamburg faulenze. Spiele überwinden Grenzen und Hemmschwellen. Auf der größten Spielemesse Europas, der gamescom in Köln, stehen rund 250.000 Spieler zu ihrem gemeinsamen Hobby. Vom Bauarbeiter zum Arzt, vom BWL-Studenten zum Rentner – Spiele verbinden und schaffen ein "Wir-Gefühl". Gamer sind aufgeschlossen und kümmern sich nicht um Religion, sozialen Status, Nationalität oder Geschlecht des Gegenübers - wichtig ist nur der gemeinsame Spaß.

Doch wo geht es mit der Spieleindustrie hin? In spätestens 25 Jahren müssen wir nicht mehr darüber diskutieren, ob Video- und Computerspiele uns oder unsere Kinder zu weltfremden Misanthropen heranwachsen lassen. Spiele werden in den Medien dann genau so diskutiert wie aktuell Bücher, Musik oder Film – noch weiter entfernt vom Kellerkind-Klischee als jetzt. Der Anfang ist jedenfalls schon gemacht. Wir freuen uns drauf.


Zum Autor:
Christian Gürnth ist Redakteur bei MTV GameOne und glaubt ganz naiv an das Gute im Menschen.
Christian Gürnth ist Redakteur bei MTV GameOne und glaubt daran, dass Gamer gute Menschen sind.
Christian Gürnth ist Redakteur bei MTV GameOne und wirkt unscheinbar auf 20 Meter Entfernung.


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