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Lou Canova
Die Grenze verläuft nicht zwischen Oben und Unten


Wenn man Soziologen und Marketingfuzzies glauben mag, so sind die Gräben zwischen Migranten und Einheimischen tief und schier unüberbrückbar. So sehr sie es auch versuchen – jeder Integrationsversuch der Zugewanderten wird von den hier Geborenen mit Häme quittiert. Ist es denn wirklich so schlimm, die Sprache nicht hundertprozentig zu beherrschen und die sozialen Feinheiten im Umgang miteinander nicht im Detail zu kennen? Für die Gruppe der Digital Natives schon. Eine Kurznachricht auf Twitter heißt nun einmal Tweet mit T und nicht Tweed wie der englische Stoff. Und wenn ein Digital Immigrant wie Frank Schirrmacher – seines Zeichens Herausgeber der FAZ und fleißiger Buchautor zu gesellschaftsspaltenden Trendthemen wie Überalterung und jetzt brandneu über die digitale Spaltung der Gesellschaft („Payback“) – den Unterscheid zwar kennt, aber nicht rechtschreibungskonform ausdrücken kann (und mal Tweed und mal Tweet schreibt), dann wird er mit der digitalen Kommunikationsgewalt der Natives im Netz entsprechend angegangen.

Schirrmacher ist altes Eisen, voll analog, der Typ. Ist doch klar, dass den keiner von uns ernst nimmt. Aber stopp mal - was heißt hier „uns“? Wenn ich mir die Definitionen beider sozialen Gruppen anschaue, dann gehöre ich – weil vor 1980 geboren – gar nicht zu den digitalen Ureinwohnern. Vollkommen egal, dass ich bereits mit neun einen C64 hatte und unter den ersten vier Leuten im Uniseminar war, die sich bei der Frage „Habt Ihr eine E-Mail-Adresse?“ gemeldet haben.


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Und ich muss ehrlicher Weise zugeben, dass ich mit 33 manchmal auch ein bisschen überfordert bin von den digitalen Möglichkeiten und der Bedienung ebendieser. Bloggen, twittern, facebooken – kein Problem für mich. Sobald ich das aber alles gleichzeitig machen soll und zusätzlich noch einem Vortrag zuhören muss, der den Content liefert, den ich sozial verbreiten möchte... Da wird nicht nur mein Satzbau kompliziert – auch mein Hirn macht ein Looping und ich weiß nicht mehr, wo ich anfangen soll.

Zugegeben – die Digital Natives haben vieles besser drauf als die Migranten. Aber ist das ein Grund, uns – Schirrmacher und mich - kollektiv zu diskriminieren? Ist das digitaler Rassismus? Brauchen wir am Ende einen Integrationsbeauftragten, der zwischen den Voll-Digitalen, den Halb-Digitalen und den Analogen vermitteln muss?

Manchmal habe ich schon ein bisschen Angst, dass irgendein daher gelaufener Native mir meinen Job abspenstig macht, weil er neuronal geiler verknüpft und digital voll auf der Höhe ist. Aber dann kommt mir immer der folgende, sehr beruhigende Gedanke: Die Generation der Digital Natives ist gleichzeitig die Generation Praktikum und die Generation Komasaufen. Und so komme ich mit meinem digitalen Halbwissen noch eine Weile gut mit, wünscht sich *Lou Canova


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