- Text: Tito Wiesner
- Publisher: Rockstar Games
-
Bewertung:
-
Galerie ansehen
L.A. Noire
Leben und Sterben in L.A.: Brutale Morde, korrupte Polizisten und selbstsüchtige Kriminelle sind die eine Seite vom Los Angeles der Vierzigerjahre - tolle Jazz-Musik, schicke Nadelstreifen-Anzüge und die stilvolle Damenwelt die andere. Zumindest, wenn es nach den Entwicklern von Rockstar Games geht - die diesen ebenso schillernden wie düsteren Schauplatz in "L.A. Noire" für einen Mix aus Thriller, Adventure und Action-Spiel nutzen.
Im Mittelpunkt steht Detective Cole Phelps. Der glaubt an das Gute - was auch der Hauptgrund dafür ist, dass er zur Polizei gegangen ist. Kriminelle gehören hinter Gitter, Mörder bestraft, unschuldige Menschen geschützt - so weit, so eindeutig. Als er nach den traumatischen Erlebnissen des Zweiten Weltkriegs bei den Cops anheuert und die ersten Missionen erfolgreich löst, merkt er allerdings schnell, dass die Welt nicht ganz so in schwarz und weiß aufgeteilt ist, wie er sich das vorgestellt hat - und dass der Kampf für das Gute manchmal auch seine Schattenseiten hat.
ANZEIGE
Der Spieler steuert Phelps durch zahlreiche Missionen in unterschiedlichen Tätigkeiten - im Spielverlauf winkt Beförderung auf Beförderung, Einsätze als Streifenpolizist gibt es ebenso wie Aufträge als Detective, bei der Verkehrsbehörde oder der Sitte. Der Ablauf ähnelt sich trotzdem - meist gibt es eine kurze Zwischensequenz des eigentlichen Verbrechens, eine Einsatzbesprechung und darauf folgend das Absuchen des Tatortes oder das Befragen von Zeugen und Verdächtigen. Phelps kann Leichen untersuchen und nach Hinweisen suchen, Waffen zurückverfolgen und im Laden nach dem registrierten Besitzer fragen, Verwandte aufsuchen oder vermeintliche Komplizen hochnehmen.
Neben einer gewissen Spürarbeit ist auch Intuition gefragt: Bei der Vernehmung potenzieller Verdächtiger gilt es, die Mimik des Gegenübers zu erforschen - und herauszufinden ob die Wahrheit gesagt oder doch gelogen wird.
Hektische Action-Passagen mit Schießereien oder Prügeleien und Verfolgungsjagden zu Fuß oder am Steuer eines schicken Oldtimers gibt es auch - für einen Rockstar Games-Titel sind sie allerdings ungewohnt selten, gerade im Vergleich zu Spielen wie Read Dead Redemption, Mafia oder GTA. Das authentisch nachgebildete Los Angeles ist zudem zwar frei befahrbar, allerdings ist zwischen den jeweiligen Haupt- und Nebenmissionen nicht viel zu tun - das Spiel lenkt einen linear von Auftrag zu Auftrag.
Prunkstück des Ganzen ist dafür die Story - und die Art und Weise, wie sie in Szene gesetzt wird. Echte Schauspieler und ein ungemein realistisches Minenspiel sorgen dafür, dass die Grenzen zwischen Film und Spiel hier immer wieder verschmelzen. Die englische Sprachausgabe ist grandios, der Soundtrack beeindruckend.
„L.A. Noire“ definiert so zwar kein neues Genre, ist aber glücklicherweise auch mehr als ein interaktiver Film - Rockstar Games geben dem Spieler deutlich mehr Optionen und Aktionen an die Hand, als es etwa die Entwickler des Spiel-Films „Heavy Rain“ taten. Trotzdem ist das Gameplay die kleine Schwachstelle von „L.A. Noire“ - die Action-Einlagen sind selten und einfach, die Adventure-Elemente für Rätsel-Experten ebenfalls kaum der Rede wert. Wenn das Spiel trotzdem zu fesseln und zu begeistern weiß, liegt das einerseits an der gelungenen Technik, vor allem aber an der tollen Story und Atmosphäre - da darf und sollte über die seichte Spielmechanik gnädig hinweggesehen werden.
Du musst eingeloggt sein,
um Kommentare schreiben zu können.
